Serdarusic : Große Kasse für große Klasse

Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen holt Star-Trainer Serdarusic, der auch bei den Füchsen Berlin im Gespräch war.

Hartmut Moheit
Handball: THW Kiel - HSG Nordhorn
Taktikfuchs. Aber nicht in Berlin: Zvonimir Serdarusic.Foto: dpa

Ganz überwunden hat Zvonimir Serdarusic die Umstände seiner Entlassung Ende Juni beim THW Kiel auch Monate danach noch nicht. „Das war ein perverses Ding“, beschwerte sich der 58-Jährige zuletzt erst wieder. Doch Aussagen dieser Dimension, hinter denen 25 Titelgewinne zwischen 1993 und 2008 stehen, waren wohl eher der Phase des erzwungenen Untätigseins geschuldet. Die Bandscheibenoperation hinter sich und die Perspektive vor sich, im Januar noch ein künstliches Kniegelenk zu bekommen, haben den Handballlehrer wohl etwas depressiv werden lassen. Doch die Situation ist nun schlagartig eine andere geworden: Vom 1. Juli 2009 an wird der gebürtige Kroate wieder im Bundesliga-Geschäft sein, als Trainer der Rhein-Neckar Löwen.

Dass der „akribische Arbeiter, der ein Team ausgezeichnet coachen kann“, nicht bei den Füchsen Berlin gelandet ist, erklärt deren Geschäftsführer Bob Hanning: „Wir setzten auf langfristigen Aufbau, die Rhein-Neckar Löwen mit wirtschaftlicher Kraft auf einen schnellen Sprung an die Spitze.“ So wäre Serdarusic schon rein sportlich einfach zu früh gekommen, deshalb habe er auch kein Angebot bekommen. Und dass wirtschaftlich zwischen Löwen und Füchsen ein gravierender Unterschied besteht, hebt Hanning hervor. „Fast alle unsere Dienstleister arbeiten ehrenamtlich, das entlastet den Etat etwa um eine halbe Million Euro. Die Rhein-Neckar Löwen können das alles bezahlen“, sagt er.

„Wir werden gemeinsam eine europäische Spitzenmannschaft formen, so dass wir wirklich oben angreifen können“, hatte der neue Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen erklärt, der auch Geschäftsführer des Trikotsponsors der Löwen ist. Nielsen hatte sich mit seiner Schmuckfirma in den vergangenen Wochen aus Dänemark zurückgezogen und wird den Firmensitz und seinen Lebensmittelpunkt nach Hamburg verlagern.

Als Antrittsgeschenk will Jesper Nielsen den in der Bundesliga vom SC Magdeburg her bekannten Olafur Stefansson mitbringen. Derzeit spielt Stefansson noch bei Ciudad Real in Spanien. Er wäre genau der richtige Spieler für Trainer Serdarusic, der ohnehin meint: „In Europa gibt es nur den THW Kiel und Ciudad Real.“ Aber er glaubt auch, dass es dabei nicht bleibt. „Ich habe mir vorstellen lassen, was die Löwen planen, und aufmerksam zugehört“, sagte er noch am Montag. Der personelle Umbruch bei den Rhein-Neckar Löwen, die in der Bundesliga als Achte nur einen Platz vor den Füchsen liegen, wird im Hintergrund vorangetrieben. Gemunkelt wird bereits, dass ein Stefansson im Monat runde 35 000 Euro an Gehalt bekommen soll.

Für Bob Hanning, der „große Achtung vor Löwen-Manager Thorsten Storm“ hat, ist das aber auch mit einem negativen Touch verbunden. „Das Gehaltsgefüge der Liga wird weiter durcheinandergebracht“, sagt er und befürchtet „für die Zukunft spanische Verhältnisse“. Dort bestimmen wenige finanzkräftige Teams allein das Geschehen, der Rest sei nur noch Staffage – wie die Rhein-Neckar Löwen derzeit in der Bundesliga. Aber das ist nur eine Momentaufnahme, mit Serdarusic soll das alles ganz anders aussehen.

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