Serena Williams : Auf der Jagd nach Steffi Graf

Serena Williams holt bei den US Open den 17. Grand-Slam-Titel ihrer Karriere – der Rekord rückt für die US-Amerikanerin näher.

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So federleicht. Bei ihrem Drei-Satz-Sieg gegen die Weißrussin Viktoria Asarenka hatte Serena Williams mehr Mühe als gedacht – umso ausgelassener jubelte sie nach dem verwandelten Matchball. Foto: AFP
So federleicht. Bei ihrem Drei-Satz-Sieg gegen die Weißrussin Viktoria Asarenka hatte Serena Williams mehr Mühe als gedacht –...Foto: AFP

Den silbernen Pokal hielt Serena Williams immer noch so eng umschlungen wie ein Kind sein Lieblingsstofftier. Mit einem kleinen Tross an Begleitern war sie über die Hintertreppe aus den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadiums ins Außenstudio des amerikanischen TV-Senders ESPN gekommen. Längst war es dunkel geworden am späten Sonntagabend, ein paar Hundert treue Fans drängelten sich dennoch vor der Studiotribüne und skandierten in schrillen Tonlagen Serenas Namen wie den eines Popstars. Williams hatte zunächst Chris Evert innig umarmt, den einstigen Tennis-Liebling der amerikanischen Nation, die 18-malige Grand-Slam-Siegerin, die als TV-Expertin bei den US Open arbeitete. „Ich bin so stolz auf dich“, hatte Evert ihr gesagt, denn Williams liegt nach ihrem fünften Triumph in Flushing Meadows nur noch eine Major-Trophäe hinter ihr. Und mit jener Urgewalt, mit der die Weltranglistenerste seit mehr als einem Jahr das Frauentennis dominiert, dürfte nun nicht einmal mehr der Rekord von Steffi Graf (22 Siege) noch lange vor Serena Williams sicher sein.

„Serena spürt jetzt den Hauch der Geschichte, und sie wird sich ihren Platz in den Büchern sichern“, meinte Evert. Doch der Gedanke daran hatte Williams im Finale zunächst nervös gemacht. Zweimal schaffte sie es im zweiten Satz nicht, das Match bei eigenem Aufschlag zu beenden. „Ich hatte nur im Hinterkopf: Noch zwei Punkte, dann hast du die 17“, gab Williams zu. So verlor sie den zweiten Satz noch, doch nach 2:45 Stunden sollte ihr der hart erkämpfte 7:5, 6:7 und 6:1-Sieg gegen die Weltranglistenzweite Victoria Asarenka schließlich gelingen.

Williams war danach wie ein Flummi über den Platz gehüpft, hatte ihren inzwischen berühmten Siegerfinger in die Luft gestreckt, und sogar noch ein wenig zu den Klängen von „1999“ von Prince locker ihre Hüften geschwungen. Die Musik mag sie an ihren ersten US-Open-Sieg in eben jenem Jahr erinnert haben, da war Williams gerade 17. „Das war so ein unglaubliches Gefühl damals“, sagte sie, „ich habe mir die Chance einfach geschnappt.“ Nun, mit beinahe 32 Jahren, war sie nicht mehr so unbedarft, und es dauerte ein wenig länger, bis sie wirklich realisierte, was sie da geschafft hatte: „Wenn man älter wird, fühlt man sich so geehrt und weiß gar nicht, ob man wohl jemals wieder einen Grand Slam gewinnen wird.“

Doch daran zweifelt derzeit niemand ernsthaft. „Ich habe mich nie fitter und besser gefühlt als jetzt“, sagte Williams selbst, „so habe ich mich seit Jahren nicht gefühlt. Es ist noch sehr viel möglich.“ Sogar 22 Grand-Slam-Titel? Die hatte Graf in ihrer Karriere gewonnen, und so mancher glaubte, es sei ein Rekord für die Ewigkeit. „Wenn Serena noch zwei, drei so gute Jahre hat und gesund bleibt“, glaubt Evert indes, „dann kann sie sogar Steffi noch übertrumpfen.“ Williams wollte am Sonntagabend jedoch lieber nicht zu forsch mit dem großen Ziel umgehen, obwohl jeder wusste, dass sie es sich durchaus zutraut. Denn in dieser Saison, in der sie eine Fabel-Bilanz von bisher 76:4 Siegen hingelegt hat, bleiben dennoch unterm Strich zwei verpasste Chancen in Melbourne und Wimbledon. „Ich war schon fast enttäuscht über diese Saison, wenn ich ehrlich bin“, sagte Williams, „jetzt fühle ich mich schon besser, mit wenigstens zwei Grand Slams auf dem Konto.“

Evert hatte mit über 30 Jahren noch zweimal die French Open gewonnen und Martina Navratilova (ebenfalls 18 Major-Titel) sogar noch drei Grand-Slam-Finals. Möglich scheint alles für Williams. Sie selbst benötigt keinen zusätzlich Anreiz – sogar die 3,6 Millionen Dollar Preisgeld juckten sie kaum. „Mein Vater hat mich sicherlich des Geldes wegen zum Tennis gebracht“, sagte sie, „aber ich habe das Spielen einfach geliebt und ich wollte immer nur Grand Slams gewinnen.“

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