Serena Williams : Schwer verletzt und doch gewonnen

US-Star Serena Williams hat in Wimbledon wieder einmal ein Schauspiel erster Güte gezeigt und damit Daniela Hantuchova aus dem Turnier geworfen.

Andreas Bellinger[dpa]
Serena
Ungewohnt: Serena Williams in langen Hosen. -Foto: AFP

LondonSie krümmte sich, sie jammerte und blickte flehend gen Himmel. Serena Williams hatte Schmerzen, "unheimliche Schmerzen in der linken Wade", wie sie später erzählte. Und es waren Schmerzen, die sie so schlimm noch nie gehabt hatte und schon gar nicht an dieser Stelle. Wie vom Blitz getroffen stürzte sie mitten im Spiel gegen Daniela Hantuchova auf den "Heiligen Rasen" und blieb weinend an der Grundlinie liegen. 5:5 und 30:15 stand es in diesem Moment für die Slowakin auf der anderen Seite des Netzes, und das Achtelfinale bei den All England Championships in Wimbledon drohte eine bittere Wendung für Serena Williams zu nehmen, die den ersten Satz noch im Handumdrehen mit 6:2 gewonnen hatte.

Die Turnierärztin kümmerte sich sofort um die jüngere der beiden Williams-Schwestern und legte ihr einen dicken weißen Verband an. Humpelnd kehrte die zweimalige Wimbledonsiegerin danach auf den Center Court zurück und rettete sich in den Tiebreak, in dem Hantuchova mit 4:2 in Führung lag, als der Regen zurück in den Südwesten Londons kam. "Die Regenpause hat mich gerettet - ganz sicher", sagte Serena Williams. Die gut zweistündige Unterbrechung nutzte sie für Behandlungen der maladen Wade, die sie danach unter einer wärmenden langbeinigen Trainingshose versteckte.

Mitleid und Unsicherheit bringen Hantuchova ins Schlingern

Der zweite Satz ging im Tiebreak mit 2:7 trotzdem verloren. Hantuchova wiegte sich nun gegen die theatralisch leidende Gegnerin vollends in Sicherheit. In einer Mixtur aus Mitleid und Unsicherheit geriet die Slowakin mehr und mehr aus dem Tritt. So richtig begreifen konnte sie nicht, was sich im dritten Satz abspielte. War Serena Williams nun so schwer verletzt, dass sie kaum noch stehen konnte? Oder war es nur ein Schauspiel, das ihr die Nerven rauben sollte?

"Es ist schwer zu glauben, dass sie eine so schwere Verletzung hatte, wenn sie mit gut 200 Stundenkilometern aufschlägt", meinte die 24-jährige Hantuchova nach der schließlich mit 2:6, 7:6 (7:2), 2:6 verlorenen Partie. Doch beweisen konnte sie es ebenso wenig wie sich dagegen wehren. So wie vor ihr manch Tennisprofi verzweifelt ist im Nervenspiel einer Mary Pierce beim Aufschlag, beim Stöhnen einer Maria Scharapowa oder an der Stärke suggerierenden Becker-Faust.

"Es ist schwer, gegen jemanden zu spielen, der offensichtlich große Schmerzen hat", erzählte die gertenschlanke Weltranglisten-Zwölfte von ihrer Gemütslage im entscheidenden Durchgang. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass Serena im dritten Satz irgendwelche Probleme hatte." Tatsächlich dominierte die Championesse von 2002 und 2003 im siebten Vergleich mit Hantuchova und schaffte den sechsten Sieg, der sie ins Viertelfinale gegen die Siegerin der French Open und Vorjahres-Finalistin in Wimbledon, Justine Henin aus Belgien, führt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben