Sport : Seria A: Lazio droht Verlust des Meistertitels

Werner Raith

Eigentlich hatte Sergio Cragnotti, Eigner des derzeitigen italienischen Fußballmeisters Lazio Rom, schon darauf gehofft, über die Sache sei nun schon genug Gras gewachsen: Vor knapp einem halben Jahr war sein Paradespieler Veron als falscher Fuffziger enttarnt worden, der unter Vorspiegelung eines italienischen Großvaters als "wiedereingebürgertes Landeskind" in Italien spielen durfte und somit die festgelegte Höchstzahl von drei Nicht-EU-Ausländern nicht belastete.

Mit dem Argentinier Juan Sebastian Veron von Lazio ist - nach dem Uruguayer Alvaro Recoba von Inter Mailand - ein weiterer südamerikanischer Fußballstar in die Schlagzeilen geraten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat Veron zu Unrecht einen italienischen Pass erworben, indem er gefälschte Dokumente über angeblich italienische Ahnen vorgelegt hat. Der Fall Veron ist zwar seit Herbst vergangenen Jahres bekannt, erhielt aber neue Brisanz, nachdem Recoba vergangene Woche vorübergehend aus Italien ausgewiesen worden war. Während jedoch im Fall des Inter-Stürmers zunächst nur der Spieler bestraft wurde, drohen Lazio wesentlich schärfere Konsequenzen: Wenn Veron weder Italiener noch Staatsbürger eines Uefa-Mitglieds ist, hat Lazio in mehreren Spielen mehr als die drei erlaubten Nicht-EU-Ausländer eingesetzt. Dem Verein droht nun Punktabzug.

Auf eine solche Sanktion drängt jetzt nicht nur Fabio Capello, Trainer des aktuellen Spitzenreiters und Lokalrivalen AS Rom, sondern auch die Führung von Juventus Turin. Turin hatte in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag die Meisterschaft an die Römer verloren. Sollten Lazio nachträglich Punkte abgezogen werden, müsste die Tabelle der vergangenen Spielzeit neu ausgerechnet werden. Lazio würde den Titel verlieren. In diesem Fall würde Lazio allerdings zu Unrecht an der diesjährigen Champions-League teilnehmen, seine Gegner könnten vor das internationale Sportgericht ziehen. Der italienische Verband erwägt daher, Rom die Punkte erst für die aktuelle Saison abzuziehen.

Die prominenten Passfälscher Veron und Recoba sind jedoch bei weitem keine Einzelfälle. Bei der Einbürgerung südamerikanischer Spitzenspieler ist es offenbar in Dutzenden von Fällen zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Um in der Seria A als Einheimische spielberechtigt zu sein, haben viele Südamerikaner ihre Ahnengalerie durchstöbert, um italienische Vorfahren ausfindig zu machen. In den vergangenen zwei Jahrhunderten waren Hunderttausende arme Süditaliener in die Neue Welt ausgewandert. Heute ermitteln mehrere italienische Staatanwaltschaften in mehr als fünfzig Fällen. Unter Verdacht stehen auch die brasilianischen Nationalspieler Dida (AC Mailand) und Cafu. Dieser spielt pikanterweise bei Lazios ewigem Rivalen AS Rom.

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