Serie A : Der AC Mailand taktiert sich zum Titel

Dank Trainer Massimiliano Allegri holt Milan die Meisterschaft. In wechselnden Systemen setzte er 32 unterschiedliche Spieler ein, ohne damit Unruhe auf der Führungsebene auszulösen.

Tom Mustroph
Zum Werfen schön. Die Spieler des AC Mailand feiern Meistertrainer Massimiliano Allegri.
Zum Werfen schön. Die Spieler des AC Mailand feiern Meistertrainer Massimiliano Allegri.Foto: Reuters

Und da flog er durch die Luft. Massimiliano Allegri wurde von den Spielern des AC Mailand entschlossen gepackt und hoch in den Himmel über dem römischen Olympiastadion geworfen. Die Spieler wussten in der Stunde ihres Glücks ganz genau, welch entscheidenden Anteil ihr Trainer daran hat. Ein umkämpftes 0:0 beim AS Rom bedeutete den vorzeitigen Titelgewinn und damit den 18. Scudetto für den AC Mailand. Der 43-jährige Allegri trainiert zum ersten Mal einen Topklub – nun hat er gleich in seiner ersten Saison den Titel geholt.

„Aus ihm kann mal einer werden, der die Reihe der großen Trainer bei uns fortsetzt“, sagte Silvio Berlusconi. Der fern des Geschehens in Mailand sitzende Vereinsboss strich aber auch seine eigene Führungsleistung heraus: „Wir telefonieren oft, vor und nach dem Spiel. Dabei erlaube ich mir Vorschläge. Er hört aufmerksam zu und wendet sie oft an – und das mit optimalen Resultaten.“ Allegris Vorgänger Leonardo nahm Berlusconi nicht immer so ernst und beklagte sich dann auch noch öffentlich über den Narzissmus seines Arbeitgebers.

Allegri dagegen ist ein geschmeidigerer Untergebener. Er gilt als einer der besten Taktiker in der Serie A. In wechselnden Systemen setzte er 32 unterschiedliche Spieler ein, auch den 19-Jährigen Deutschen Alexander Merkel, ohne damit Unruhe auf der Führungsebene auszulösen. Das spricht für die Führungsstärke des ehemaligen Mittelfeldspielers von Livorno, Cagliari und Neapel. Größter Profiteur der Experimente war Kevin-Prince Boateng. Der Deutsch-Ghanaer erfüllte die Doppelrolle aus vorgeschobenem Stabilisator der Abwehr und zentraler Anspielstation kurz vor dem Strafraum souverän. „Er ist der wertvollste Neue“, hieß es in der „Gazzetta dello Sport“. Boateng war sogar wertvoller als Zlatan Ibrahimovic. Als der Schwede gesperrt war, gelang dank Boatengs Dynamik und auch dank der Planspiele Allegris dennoch eine Siegesserie. „Milan ist nicht mehr Ibra-abhängig, sondern Allegri-abhängig“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“.

In der nächsten Saison will der AC Mailand auch international wieder stärker auftreten. „Diese Mannschaft hat das Potential, die Champions League zu gewinnen“, sagte Milans ehemaliger Star Marco van Basten. Am Wochenende war allerdings erst einmal Party angesagt. Bis früh um vier ging die Sause. Dann setzte die Vorbereitung auf das Pokalhalbfinale am Dienstag gegen Palermo ein.

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