Serie A : Juventus Turin: Ohne Niederlage zum Meistertitel

Juventus Turin hat sich einen Spieltag vor Schluss ungeschlagen den Titel in der Serie A gesichert. Doch ganz von der Vergangenheit des Manipulationsskandals konnte sich der italienische Rekordmeister selbst in der Stunde des großen Triumphs nicht frei machen.

Tom Mustroph
Ende einer Höllenfahrt. Juve hat den Zwangsabstieg hinter sich gelassen.
Ende einer Höllenfahrt. Juve hat den Zwangsabstieg hinter sich gelassen.Foto: Reuters

Berlin - Juventus Turin hat sich einen Spieltag vor Schluss ungeschlagen den Titel in der Serie A gesichert. Die Turiner profitierten von einem 4:2-Sieg Inter Mailands im dramatischen Derby gegen den AC Mailand und bewältigten selbst stolperfrei die Auswärtsaufgabe mit 2:0 in Triest. Dorthin war Gegner Cagliari wegen baulicher Probleme des eigenen Stadions gezogen. Ganz von der Vergangenheit des Manipulationsskandals konnte sich Juve aber selbst in der Stunde des großen Triumphs nicht frei machen.

„Aus der Hölle sind wir ins Paradies zurückgekehrt“, sagte Sportdirektor Giuseppe Marotta markig. „Das Jahr 2006 hat diesen Verein ins Herz getroffen. Wir sind in die Hölle gefallen, haben danach das Purgatorium passiert und sind jetzt ins Paradies aufgestiegen“, erläuterte er seinen theologischen Ausflug. Die „Höllenfahrt“ war durch gerichtlich erwiesene Schiedsrichterbestechungen von Marottas Vorgänger Luciano Moggi ausgelöst worden und gipfelte in der Aberkennung zweier Meistertitel und dem Zwangsabstieg in die Serie B.

Sechs Jahre dauerte also der Reinigungsprozess im Fegefeuer. Das war länger als erwartet. Denn nach dem unmittelbaren Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse hatte Juventus gehofft, ohne die Belastungen im internationalen Wettbewerb gleich wieder an die Spitze vorstoßen zu können. Doch der Kader war alt und satt. Der Grimm über die sportjuristische Demütigung reichte als Treibstoff nicht aus. Und Claudio Ranieri war eben kein Trainer, der ein Projekt entwickeln konnte.

Mehrere Irrtümer später – der als Trainer debütierende Ex-Spieler Ciro Ferrara, der ohne Charisma auftretende Taktikbastler Luigi Delneri sowie Feuerwehrmann Alberto Zaccheroni – übernahm mit Antonio Conte endlich ein Trainer, der über Respekt bei den Spielern verfügte, klare Vorstellungen eines taktischen und athletischen Programms hatte und auch den Mumm besaß, es gegen Widerstände im Kader durchzusetzen. Conte profitierte auch von der Aufräumarbeit, die der neue Präsident Andrea Agnelli und der mit Delneri aus Genua gekommene Manager Marotta ein Jahr vor Contes Ankunft geleistet hatten. Einzig umstrittene Maßnahme war die vorzeitige Bekanntgabe des Vertrages mit dem ewigen Juve-Spieler Alessandro Del Piero.

Conte, genannt der „Hammer aus Lecce“, schmiedete die Mannschaft zu einer Einheit. „Heute haben die Spieler von Juventus einen ausgeprägten Sinn für die Arbeit“, sagt Marotta. Das lässt ausreichend Spielraum für eine Interpretation der Mentalitäten in der Vergangenheit. Der Erfolg – ungeschlagen sowohl in der Meisterschaft als auch im nationalen Pokal – wäre aber ohne den Glücksfall Andrea Pirlo nicht möglich gewesen. Der von Milan ausgemusterte Regisseur erhöhte die Qualität des Passspiels. Dank eines massierten Fünfer-Mittelfelds war er störendem Forechecking der Gegner auch weniger heftig ausgesetzt und konnte so seine Stärken besser zur Geltung bringen.

Jetzt wartet Italien darauf, dass diese Mannschaft auch in Europa von Sieg zu Sieg eilt. Dazu fehlt ihr allerdings noch ein Torjäger. „Wir wollen die Qualität der Mannschaft erhöhen“, sagt Marotta und kündigt damit Investitionen an. Frisches Geld bringt unter anderem der neue Trikotsponsorenvertrag mit Fiat (35 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre).

Interessant wird dann, wie viel Sterne neben dem Unternehmenslogo prangen. Deren drei stehen für 30 Titel. Wird Präsident Agnelli der Aufflockabteilung die Anweisung geben, tatsächlich drei Sterne auf die Trikots zu pappen? Oder hält er sich an die öffentliche Zählung von 28 Scudetti?

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