SERIE : Berliner Klubs im Test: Füchse Berlin

Die Berliner Profiklubs stehen im neuen Jahr vor schwierigen Aufgaben, auch sie sind von der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Der Tagesspiegel untersucht aus diesem Anlass in einer neuen Serie, wie die Berliner Klubs für das Jahr 2009 aufgestellt sind.

Hartmut Moheit

Was hat sich geändert? Zunächst einmal hatten die Füchse für diese Saison eine Platzierung von Platz acht bis zwölf als Ziel ausgegeben. Die „Stabilisation des Projekts Handball in Berlin“, wie Geschäftsführer Bob Hanning es ausdrückt, sollte weiterhin Vorrang haben. Die Fans sollten sich nunmehr im zweiten Erstligajahr mit dem Team stärker identifizieren können. „Deshalb gab es punktuell Verstärkungen“, erklärt Hanning. Es bringe ja nichts, in jeder Saison den Kader auszuwechseln, um ein höheres Niveau zu erreichen. Dabei soll es auch in Zukunft bleiben. Dennoch liegen die Füchse derzeit auf dem achten Platz, und Hanning sieht plötzlich sogar „einen Korridor nach oben“. Das heißt, „wir können sogar mehr erreichen, als ursprünglich vorgenommen“. Dennoch ist der Sinn für die Realität nicht verloren gegangen. „Ich wäre auch nicht enttäuscht, wenn wir letztlich nur Zehnter werden“, sagt Hanning.

Was muss personell passieren? Mit Nationaltorhüter Silvio Heinevetter, der im Sommer zu den Füchsen wechseln wird, ist ein besonderer Transfercoup gelungen. Damit wird aus Hannings Sicht symbolisiert, „dass wir in der stärksten Liga der Welt ins Spitzenfeld wollen“. Im Tor sind die Füchse dafür gut gewappnet, denn mit Petr Stochl verfügen sie bereits über einen Klassespieler auf dieser Position. Der neue Trainer Dagur Sigurdsson, der Jörn-Uwe Lommel ablösen wird, steht vor allem vor der Aufgabe, die Deckung vor den beiden zu stabilisieren. Die Suche nach einem zentralen Abwehrspieler, der das organisieren kann und zudem auch ein guter Kreisspieler ist, läuft auf Hochtouren.

Wie stellt sich der Verein wirtschaftlich auf? Mit einem Etat von geschätzten 3,6 Millionen Euro gehören die Füchse nicht zu den reichsten Klubs in der Bundesliga. Aber auch diese Summe muss erst einmal dauerhaft – auch zu Krisenzeiten – finanziert werden. Bob Hanning bezeichnet den Vertrag mit dem Rechtevermarkter IMG als „Versicherung gegen die Weltwirtschaftskrise“. Es sieht durch IMG die finanzielle Grundlage als gesichert an. Bisher verfügt der Verein über 85 Sponsoren, hofft in der neuen Saison, „die 100 knacken zu können“. Die entscheidenden Säulen seien die DKB-Bank und Nuon, „aber alle zusammen sehen sich auch untereinander als Kooperationspartner.“ Hanning gibt aber auch zu: „Je größer dieser Kreis wird, desto schwieriger wird es, das Miteinander zu organisieren.“ Der Blick für das Machbare bleibe das Wichtigste, die „schwarze Null“ müsse das Ziel bleiben.

Was sind die Höhepunkte in diesem Jahr? Der Vertrag mit IMG war sicherlich etwas ganz Besonderes – außerhalb des Sportlichen. Ansonsten sind es die noch ausstehenden zwei Spiele gegen Magdeburg und Kiel in der Großarena am Ostbahnhof, die ausverkauft sein werden. Mindestens eines davon wollen die Füchse gewinnen und damit für ein besonderes Highlight vor knapp 15 000 Fans sorgen. Noch nicht entschieden ist, ob die Füchse zur neuen Saison ganz in die Großarena am Ostbahnhof ziehen werden. Das wäre ein weiterer großer Schritt in der Entwicklung.

Wo will der Klub am Jahresende stehen? So ganz sicher ist man sich nicht, was letztlich herauskommen könnte. Die schwache Deckungsarbeit des Teams ist offensichtlich, und nicht jedesmal wird der passabel funktionierende Angriff das ausgleichen können. Deshalb wäre ein einstelliger Tabellenplatz in der zweiten Erstligasaison sicherlich schon aller Ehren wert. Die Qualifikation für den Europacup bleibt ein Traum.

Am 14. Januar: Alba Berlin

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