SERIE : Kältetechnik „Auf meinen Kufen wackle ich“

In unserer neuen Serie beschreiben Wintersportler ihr Material. Heute: Jenny Wolf über Schlittschuhe

Jenny Wolf
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Folge 1:

SCHLITTSCHUHE

Wintersport ist eine technisch anspruchsvolle Angelegenheit. Da werden Kufen geschliffen, Ski gewachst und Schlitten konstruiert. Manchmal kann das Material sogar über den Sieg entscheiden. In den kommenen Tagen erklären erfolgreiche Athleten in unserer Serie, wie sie ihre Sportgeräte pflegen, an ihnen basteln und mit ihnen verreisen. Heute: Eisschnellläuferin Jenny Wolf und ihr Klappschlittschuh.

Ich habe mir gerade neue Schlittschuhe gekauft. Meine alten waren fünf Jahre alt, eine lange Lebenszeit für Schlittschuhe. Sie gingen aus den Nähten, ich konnte mit ihnen nicht weiterlaufen. Ein bisschen Aberglaube spielt bei den Schuhen schon rein. Wenn man wie ich mit seinen Schlittschuhen Weltrekord gelaufen und Weltmeisterin geworden ist, trennt man sich umso schwerer von ihnen.

Schlittschuhe müssen vor allem eine gute Passform haben. Es gibt da aber unterschiedliche Auffassungen. Manche sagen: Die Schuhe müssen richtig eng sein und erst mal wehtun. Ich bin anderer Meinung: Meine Schuhe müssen von Anfang an passen. Wir unterscheiden zwischen den Schuhen und den Schienen. Die Schienen, also die Kufen, bekomme ich vom FES, vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin. Die Schuhe muss ich mir selbst besorgen.

Meine neuen Schuhe habe ich mir in Holland anfertigen lassen, in Groningen. Es gibt diverse private Anbieter in Holland, aber auch in den USA und in Kanada. Die meisten sind orthopädische Schuhmacher oder ehemalige Eisschnellläufer. Jeder von ihnen hat sein individuelles Konzept. Sie machen einen Gipsabdruck von den Füßen, dann sucht man sich eine Farbe aus und holt sie später ab. Ich wollte diesmal etwas Neutrales, deshalb habe ich mich für schwarze Schuhe entschieden. Die passen zu allen Anzügen.

Aussuchen kann man sich außerdem, wie hoch man über dem Eis steht. Mein Schuh beispielsweise ist etwas höher als der Durchschnitt. Dadurch steht man zwar etwas wackeliger, aber ich habe damit gute Erfahrungen gemacht. Die Abdrucklänge ist höher und man kommt mit den Schuhen nicht so schnell aufs Eis.

Die meisten Schuhe kosten zwischen 750 und 1200 Euro. Ich habe diesmal 800 Euro bezahlt. Zur Sicherheit habe ich gleich noch ein identisches Ersatzpaar anfertigen lassen. Als ich jetzt nach Asien zu den Weltcups aufgebrochen bin, habe ich allerdings meine alten Schuhe als Ersatz mitgenommen. Falls ich mit den neuen gar nicht zurechtgekommen wäre, hätte ich die noch mal anziehen können.

Meine Schuhe nehme ich immer im Handgepäck mit, die Schiene müssen wir seit dem 11. September 2001 aufgeben, ich schraube sie also auseinander. Um die Schuhe kümmere ich mich eigentlich nicht besonders, ich stelle sie nur mal an die Luft. Man kümmert sich eher um die Schiene. Die schleift man vor jedem Wettkampf. Die Schlittschuhe werden dabei parallel in einen Schleifbock eingespannt und mit Schleifsteinen geschliffen und poliert. Das erledigt man selber, es dauert 20 Minuten. Ein- bis zweimal im Jahr überprüfen dann die Techniker des FES, ob noch alles mit der Schiene in Ordnung ist.

Manchmal kommt es vor, dass man bei einem Wettkampf nicht richtig reingekommen ist in seine Schuhe. Sie drücken, man fühlt sich nicht ganz wohl. Da steht man dann da und überlegt sich, ob noch genügend Zeit ist, die Schuhe schnell neu anzuziehen. Auf die Schuhe habe ich allerdings noch nie etwas geschoben, wenn ich mal nicht so gelaufen bin, wie ich mir das vorgenommen hatte. Aber ich passe schon gut auf sie auf. Wenn ich sie im Auto liegen habe und einkaufen gehe, werde ich manchmal ziemlich nervös.

Aufgezeichnet von Friedhard Teuffel.

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