Serie Olympisches Berlin (5) : Bente Kraus: Die Zukunft nach Pechstein

Eisschnellläuferin Bente Kraus startet in Sotschi über die 3000 Meter. Allein das ist für die Berlinerin nach einem persönlich schweren Jahr schon ein großer Erfolg.

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Foto: Imago

Es ist die erste Olympiateilnahme von Bente Kraus. Und dass sie nun nach Sotschi fliegen durfte, ist schon ein ganz großer Erfolg für die 24 Jahre alte Berlinerin. Sportlich sowieso, denn da ist die junge Eisschnellläuferin auf den langen Strecken in ihrer Karriere zumindest international noch nicht groß in Erscheinung getreten. National kommt die 3000- und 5000-Meter-Läuferin auch zwei zweite Plätze bei Deutschen Meisterschaften, größter Erfolg war wohl die Deutsche Vizemeisterschaft 2009 über 5000 Meter. Allerdings rückte der Sport bei Bente Kraus im vergangenen Frühjahr ohnehin in den Hintergrund: Ihr Vater verstarb im Mai, Alfred Kraus hatte seine Tochter bereits als kleines Kind trainiert.

Wenn sie über den Schicksalsschlag spricht, kommen Bente Kraus immer noch die Tränen, wie etwa am vergangenen Montag bei der Verabschiedung der Berliner Olympiateilnehmer im Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz.„Er hat meine Karriere seit dem sechsten Lebensjahr begleitet“, sagt sie über ihren Vater. Der Krebs von Alfred Kraus galt als besiegt, doch das war ein Trugschluss. Nach dem Tod des Vaters habe sie ernsthaft und lange über ihre weitere Laufbahn nachgedacht. „Das hat mich aus der Bahn gehauen, ich dachte, ich schaffe das nicht mehr.“ Dann aber stand ihr Entschluss fest: „Ich werde weiterkämpfen.“

Geholfen hatte Bente Kraus wohl dabei ihre „Fähigkeit, sich in schwierigen Phasen durchzubeißen“. Denn die Berlinerin galt schon immer als sehr willensstark und sehr ehrgeizig. Als Juniorin gewann sie drei deutsche Meistertitel. Als Eiskunstläuferin hatte sie einst ihre Karriere auf dem Eis begonnen, in der vierten Klasse wechselte sie dann zum Eisschnelllaufen.

Bereits am kommenden Sonntag hat Bente Kraus ihren olympischen Auftritt bei den 3000 Metern. Für die 5000 Meter, an sich ihre Paradestrecke konnte sie sich nicht qualifizieren und in der Teamverfolgung scheiteten die deutschen Frauen ebenfalls. Über die 3000 Meter wird sie wohl im Schatten ihrer Freundin und Klubkameradin von den Eisbären Juniors, Claudia Pechstein, stehen, die dann in der Adler-Arena um ihre zehnte Olympische Medaille laufen wird. Allerdings ist Kraus natürlich die Frau für die Zukunft nach Pechstein und die ersten Spiele wohl für sie vor allem dazu da, um Erfahrungen zu sammeln.

Für Bente Kraus wäre eine einstellige Platzierung schon ein Erfolg. „Ich werde aber keine Zahl in der Öffentlichkeit nennen“, sagt sie. „Ich weiß, was ich kann.“ Aber wichtiger sei für sie, die Spiele von Sotschi „zu genießen“, sagt Bente Kraus. „Alles was dann auf dem Eis noch passiert, ist Bonus.“

- Unsere Serie „Olympisches Berlin“ läuft bis zum Start der Olympischen Winterspiele in Sotschi am 7. Februar täglich an dieser Stelle. Alle Teile der Serie unter tagesspiegel.de/olympia.

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