SERIE : Saison ohne Sirtaki Bundesliga im Test

Nach dem Weggang von Gekas droht Bochum wieder der Abstiegskampf

Richard Leipold

Was hat sich verbessert?

Das Saisonziel. Der VfL Bochum geht endlich einmal mit dem Anspruch in eine Spielzeit, einen Titel zu verteidigen, wenn auch keinen offiziellen. Die Westfalen haben sich selbst zum Ruhrgebietsmeister gekürt und diesen Erfolg mit einer Plakataktion in der ganzen Stadt publik gemacht. Der „Titelgewinn“ basiert auf den Ergebnissen der unmittelbaren Vergleiche mit den Nachbarklubs Schalke 04 und Borussia Dortmund. Die Bochumer wirken ein wenig frecher, darin kann ein Fortschritt liegen.

Wer sind die Stars? Die Stars sind fort. Theofanis Gekas, der Torschützenkönig, Jaroslav Drobny, ein sicherer Schlussmann, und Regisseur Misimovic, ein brillanter Techniker, haben den VfL verlassen, weil sie in Leverkusen, Berlin und Nürnberg bessere finanzielle und sportliche Perspektiven sehen. Die wichtigsten Spieler abgeben zu müssen, „ist das Schicksal des VfL“, sagt Manager Stefan Kuntz. Er weiß, wovon er spricht. Als Torjäger war Kuntz selbst einmal der Star der Bochumer – und ging fort.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Der VfL ist dafür bekannt, Geduld mit seinen Trainern zu haben. Wenn der Klub einen Fußball-Lehrer entlassen hat, dann eher zu spät als zu früh. In der vergangenen Saison bekam Marcel Koller viel Vertrauen vorgeschossen. Obwohl nach Heimniederlagen in der Hinrunde öfter die Forderung nach einem Trainerwechsel laut wurde, hielten die Verantwortlichen an Koller fest. Sollte der Start abermals misslingen, dürfte Koller mehr Kredit genießen als mancher seiner Kollegen in anderen Klubs.

Welche Taktik ist zu erwarten? Vermutlich ein 4-4-2, möglicherweise in der Variante mit zwei offensiven Flügelspielern im Mittelfeld. Dieser Mannschaftsteil muss torgefährlicher werden, weil nach dem Weggang des 20-maligen Torschützen Gekas niemand zu sehen ist, dem ähnlich viele Treffer zuzutrauen sind. Ein Gefühl der Sicherheit sollte das eingespielte Abwehrzentrum mit den beiden Innenverteidigern Maltritz und Yahia sowie den defensiven Mittelfeldspielern Zdebel und Dabrowski vermitteln.

Wer hat das Sagen im Verein? Viele Jahre hatte Werner Altegoer allein das Sagen, erst als Präsident, dann als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Inzwischen hat Manager Stefan Kuntz an Profil gewonnen, vor allem dank der Spielertransfers, die ihm während der vergangenen Saison gelungen sind. Kuntz versteht sich gut mit Geschäftsführer Ansgar Schwenken, der uneitel im Hintergrund agiert.

Wie ist die Stimmung im Stadion? Auf die besonders stimmungsvollen griechischen Momente müssen die VfL-Fans verzichten. Immer wenn Theofanis Gekas ein Tor gelang, wurde es mit einem Sirtaki gefeiert. Der Schützenkönig lässt teils treue, teils aber auch zweifelnde Kunden zurück. Bochum hat nur gut 6500 Dauerkarten abgesetzt, das bedeutet einen leichten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, aber auch einen Abstiegsplatz bei den Verkaufszahlen der Liga.

Welche Platzierung ist möglich? Nach dem überraschenden achten Platz aus der vorigen Saison dürfte sich der VfL Bochum diesmal eher auf vertrautem Terrain wiederfinden: im unteren Drittel der Tabelle. Aber vielleicht wächst ja unter all den neuen Unbekannten wieder der eine oder andere über sich hinaus…

Morgen: Hamburger SV. Die ganze Serie auf www.tagesspiegel.de/bundesliga

Folge 11:

VFL BOCHUM

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