Sport : Seriös erfolgreich

Francisco Copado ist in Unterhaching zum besten Torschützen der Zweiten Liga geworden

Karsten Doneck

Berlin. Francisco Copado hat sich ausgetobt. Er war Fußballprofi in Berlin bei Tennis Borussia. Nachdem dort der äußerst strenge Trainer Hermann Gerland abgelöst und später durch den in Disziplinfragen eher nachlässigen Winfried Schäfer ersetzt worden war, da begann Copados wilde Zeit. Er wurde erwischt, wie er auf der Jahreshauptversammlung bei der Gedenkminute für die Verstorbenen mit dem Handy telefonierte, er tanzte im Trainingslager in Spanien mal spätnachts auf dem Klavier. Und selbst seine Beinkleider erregten Missmut. Winfried Schäfer wies mal mit höchst verächtlichem Ton die Journalisten nach einem TeBe-Spiel an: „Jetzt schaut euch mal diese Hose an, die der trägt.“ Copado war mit etwas silbern Glitzerndem aus der Kabine gekommen. Sein Ruf als Fußballer schien nach vielen kleineren und ein paar größeren Eskapaden in Berlin nahezu ruiniert zu sein.

Die Zeit von Tennis Borussia in der Zweiten Fußball-Bundesliga liegt knapp vier Jahre zurück. Francisco Copado hat nach TeBes Zwangsabstieg im Sommer 2000 die Stadt verlassen und fortan sein Glück am Stadtrand von München gesucht, bei der Spielvereinigung Unterhaching. Und er hat dort noch einmal die Kurve gekriegt, macht jetzt nicht mehr durch Sperenzchen am Rande von sich reden, sondern nur noch durch fußballerische Taten. Mit 16 Treffern führt er die Torschützenliste der Zweiten Liga an, von seinen Leistungen hängt das Abschneiden der Unterhachinger zu einem großen Teil ab. Heute kehrt Copado wieder nach Berlin zurück. Mit der Spielvereinigung gastiert er beim 1. FC Union (15 Uhr, Stadion Alte Försterei).

„Es gab eine schlechte Zeit, dazu stehe ich. Aber darüber möchte ich nicht mehr reden“, sagt Copado. Aus dem Hallodri von einst ist ein ernst zu nehmender Fußballprofi geworden. 29 Jahre ist er inzwischen alt, sein Ehrgeiz ist ungebrochen. In der Bundesliga möchte er noch mal spielen. Als der HSV noch von Kurt Jara trainiert wurde, gab es bei den Hamburgern vages Interesse. Doch die Sache hat sich zerschlagen.

Beim 1. FC Union jedenfalls haben sie gehörigen Respekt vor Francisco Copado. „Der ist immer für ein Tor gut, schon allein aufgrund seiner Schnelligkeit und Cleverness“, sagt Trainer Mirko Votava. Trotzdem will er nicht eines einzigen Spielers wegen „unser ganzes System umkrempeln“. Trotz der Erfahrungen im Hinspiel. Beim 1:1, Ende September, hatte Copado die Unterhachinger mit 1:0 in Führung gebracht. Als Votava nach der Pause Silvio Pätz für die Bewachung Copados abstellte, ging der Torjäger weitgehend unter.

Und diesmal? Mirko Votava, der nach zuletzt vier Spielen mit der Ausbeute von zehn Punkten so sicher wie lange nicht mehr auf seiner Trainerbank sitzt, bleibt ganz gelassen. Ihm hilft dabei auch die Erfahrung aus der eigenen aktiven Zeit bei Werder Bremen. „Sicher“, sagt Votava, „Copado ist schnell. Aber ich habe früher auch schnellere Gegenspieler gehabt, und kaum einer ist an mir vorbeigekommen.“ In Copado-Hysterie verfällt der ehemalige Bundesligaprofi ohnehin nicht. „Wenn wir nach dem Spiel sagen können: Copado hat kein Tor gemacht, und wir haben trotzdem 0:2 verloren – dann wäre das auch großer Mist.“

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