Sport : Servus, Jan

Benedikt Voigt

Wahrscheinlich ist die Gelassenheit im 19. Jahrhundert in einem Wiener Kaffeehaus erfunden worden. Das könnte sich so abgespielt haben: Ein Österreicher bestellte einen kleinen Schwarzen, doch der Kellner bereitete das Getränk versehentlich mit der doppelten Menge Wasser zu. Anstatt sich zu beschweren, probierte der Österreicher das Gebräu und sagte: „Basst eh, Herr Ober, wunderboar.“ Fortan ging diese Mischung als Verlängerter in die Kaffeehausgeschichte ein.

Gelassenheit gehört einfach zum Wesen Österreichs. Das trifft sogar im Umgang mit Dopingverdächtigen zu. So hielt der Österreichische Skiverband trotz der Blutbeutelaffäre von Salt Lake City an seinem Langlauftrainer Walter Mayer fest – und löste damit eine spektakuläre Dopingrazzia der italienischen Polizei und den größten Skandal der Winterspiele 2006 aus. Und nun wirbt Österreich auch noch um den deutschen Radprofi Jan Ullrich. Dieser ist zwar des Dopings stark verdächtig, wöchentlich tauchen neue Anschuldigungen auf, doch das scheint im Land der Berge egal zu sein. Solange ihm keine Schuld nachzuweisen ist, dürfe er starten, argumentiert Österreichs Verband.

In anderen Ländern wird das nicht so gelassen gesehen. Sogar der Radsportförderer ARD hat sich nach den jüngsten Negativschlagzeilen entschieden, die Deutschlandtour nicht mehr zu übertragen. Aber vielleicht steigt nun der ORF ein, solange nichts bewiesen ist, versteht sich. Geht eh alles gut aus für Österreich: Koffein steht auch nicht mehr auf der Dopingliste.

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