Sport : Sex, Lügen und Alkohol

Nach Vergewaltigungsvorwürfen kämpft Leicester City um seinen guten Ruf

Raphael Honigstein

London. Man weiß nicht, wie die Sache ausgeht, fest steht aber, dass Leicester City nach dem Sex-Skandal in La Manga für englische Profifußballer deutlich an Attraktivität verloren hat. Auf Weisung von Trainer Mickey Adams wird in der Players’ Bar im Walkers Stadium nämlich ab sofort kein Alkohol mehr ausgeschenkt. Auch in Trainingslagern dürfen in Zukunft nur noch Softdrinks und Wasser getrunken werden. „Es wird ein totales Alkoholverbot eingeführt, dann kommt so etwas nicht mehr vor“, hofft Adams.

Die Mannschaft hat am Samstag in Birmingham drei wichtige Punkte im Abstiegskampf gewonnen, doch der kleine Klub aus den Midlands kämpft weiter um seinen Ruf. Nachdem der Verein die neun Spieler, die vor zwei Wochen in Spanien festgenommen worden waren, noch bedingungslos unterstützt hatte, ist der Ton zumindest gegenüber Frank Sinclair, Paul Dickov und Keith Gillespie schärfer geworden. Diese drei waren erst am Donnerstag gegen eine Kaution von 240 000 Euro aus der Haft entlassen worden. „Sie haben sich die Probleme selbst zuzuschreiben“, sagt Adams, „jetzt müssen sie sich selber um die juristischen Konsequenzen kümmern“. Und die könnten gravierend sein. Alle drei stehen unter dringendem Tatverdacht, drei in Köln wohnhafte Afrikanerinnen im Mannschaftshotel sexuell genötigt beziehungsweise vergewaltigt zu haben. Weil es bis zur Gerichtsverhandlung in Cartagena noch ein Jahr dauern kann, wird der Verein aus der Premier League eine interne Untersuchung der Angelegenheit einleiten. Alle drei könnten entlassen werden. Als die Verdächtigen jetzt in Southampton mit Leicesters Reservemannschaft erstmals wieder spielten, wurden sie von den gegnerischen Fans gnadenlos ausgepfiffen.

Weil Strafverfahren auf der Insel vor einem Geschworenengericht entschieden werden, gelten bezüglich der Berichterstattung äußerst strenge Auflagen, doch in diesem Fall sind die spanischen Behörden zuständig. Daher nützt die englische Presse alle Freiheiten genüsslich aus. So brachte beispielsweise das Revolverblatt „News of the World“ am Sonntag ein mehrseitiges Interview mit den Afrikanerinnen, in dem sie ihre Version unter der Schlagzeile „Unsere Hölle“ erzählten. Laut Martha Wilbert fing alles damit an, dass Steffen Freund sie auf ihr Zimmer begleitete: „Ich habe nicht den richtigen Weg gefunden, aber Steffen hat ihn mir gezeigt, und er war ein echter Gentleman.“ Danach sollen sich beide auf ihrem Bett unterhalten haben, bevor es vor ihrer Tür sehr laut wurde. „Ich öffnete die Tür, und das Einzige, was ich sah, war eine Faust, die mir ins Gesicht schlug.“ Sieben Leicester-Spieler sollen zusammen mit ihren Freundinnen Beatrice und Ruth ins Zimmer gestürmt sein, und sich an den dreien vergangen haben.

Steffen Freund, der im Gegensatz zu seinen Kollegen nur wegen unterlassener Hilfeleistung festgenommen worden war und als Erster wieder frei kam, hat bisher als Einziger vor Gericht sexuelle Kontakte mit einer der drei Frauen gestanden. „Es war freiwillig. Erst danach kam es in einem anderen Zimmer zum Streit zwischen Spielern und Frauen“, zitierte ihn die „Bild-Zeitung“. Während seine Kollegen weiter ihre Unschuld beteuern, spekulieren Teile der Presse, ob die drei Frauen Prostituierte sind. Adams hat Zweifel an ihren Aussagen. „Vor Jahren sind solche Sachen nie passiert, aber vor Jahren stand auch nicht ‚Rufen Sie uns an, wenn Sie jemanden kennen, der etwas gemacht hat’ in den Sonntagszeitungen.“ Der seriöse „Guardian“ flog sogar nach Köln, um den ehemaligen FC-Barnsley-Torhüter Larse Leese zu interviewen. In seiner Biografie „Der Traumhüter“ schildert Leese gegenüber Autor Ronald Reng den feucht-fröhlichen Profialltag auf der Insel. Leese sagt: „Die Anklage lautet Vergewaltigung, aber als Fußballer musst du nicht Gewalt anwenden, um Sex zu haben. Wenn du in England ein Fußballer bist, kommen die Mädchen auf dich zu.“

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