Sexismus bei Sparta Prag : Der aussichtslose Kampf um die Männerbastion Fußball

Frauen gehören an den Herd, behaupteten zwei Spieler von Sparta Prag. Nun sind sie zum Training mit der Frauen-Abteilung verdonnert worden - eine kluge Entscheidung des Vereins. Ein Kommentar.

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Lukas Vacha darf sich nun mit den Frauen von Sparta Prag messen.
Lukas Vacha darf sich nun mit den Frauen von Sparta Prag messen.Foto: REUTERS

Überliefert ist es nicht, aber es ist gut möglich, dass die Fußballerinnen von Sparta Prag demnächst schuhsohlentechnisch ein klein wenig in den Kampfmodus gehen und die Stollen für das tiefe Geläuf aufziehen werden. Das wiederum könnte dann weniger mit dem Rasen als vielmehr mit den Trainingsgästen zu tun haben: Tomas Koubek und Lukas Vacha von Spartas Herrenabteilung werden vorbeischauen, allerdings nicht freiwillig.

Die beiden Spieler des tschechischen Traditionsvereins Sparta Prag haderten am vergangenen Sonntag mit dem Ausgleichstor des FC Zbrojovka Brünn zum 3:3. Dieses war aus einer klaren Abseitsposition heraus gefallen. Doch der Frust darüber entlud sich nicht nur an Linienrichterin Lucie Ratajová, sondern am weiblichen Geschlecht im Allgemeinen. Koubek und Vacha waren sich anschließend über diverse Medienkanäle einig, dass Frauen besser an den Herd gehörten und nicht über Belange, für die Männer zuständig sind, also zum Beispiel Fußball, entscheiden sollten.

Sexismus und Chauvinismus sind im Fußball ungefähr so alt wie das Spiel selbst, und die beiden Sparta-Spieler bewiesen eindrücklich, dass der Fußball den Kampf um seine Männerbastion immer noch ein bisschen kämpft. Nur muss man dazusagen: Es ist ein aussichtsloser Kampf. Das Spiel ist derart groß und global geworden, dass anerkannte Prinzipien und Normen einer freien Gesellschaft nicht umgangen werden können. Wären Aussagen in diese Richtung noch vor wenigen Jahren vonseiten des Vereins möglicherweise unkommentiert geblieben, verdonnerte die Sparta-Vereinsführung die beiden Spieler nun zum Training mit den Frauen. "Um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, dass Frauen nicht nur am Herd geschickt sein können", sagte der Sparta-Generaldirektor Adam Kotalik. Es bleibt zu hoffen, dass solche Sätze auch im Fußball bald nicht mehr ausgesprochen werden müssen.

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