Shani Davis : Am Ohr von Obama

US-Eisschnelllauf-Star Shani Davis wird in den USA gern Egoismus unterstellt. Doch dem 1.000-Meter-Olympiasieger von Vancouver ist das ziemlich egal, denn er hat einen ganz prominenten Fürsprecher.

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Shani Davis: Der Himmel ist seine Grenze. -Foto: dpa

Diesmal glitt Shani Davis mit einer US-Flagge bei seiner Ehrenrunde übers Eis, da haben sie aber alle gestaunt. 2006 hatte er auf seiner Ehrenrunde einen Teddybären hochgehalten, irgendjemand der Zuschauer hatte ihm den zugeworfen. 2006 in Turin war der Eisschnellläufer Davis aus Chicago auch schon Olympiasieger über 1000 Meter geworden, wie jetzt in Vancouver. Aber da passte der Teddybär ins Gesamtbild der ganzen US-Patrioten: Schaut ihn euch an, den Typen, startet nicht für sein Land.

Seit Turin ist Davis’ Ruf in den USA als egoistischer Typ ohne patriotische Gefühle zementiert. Er hatte sich in Turin geweigert, im Team-Wettbewerb anzutreten, weil er sich auf seine Einzel-Starts konzentrieren wollte. In Vancouver läuft er auch nicht im Team – aus Trotz, er fühlt sich von seinem Verband unter Druck gesetzt. Aber wenigstens griff er diesmal zur US-Flagge.

Wenigstens greift er diesmal zur US-Flagge

Selbstverständlich darf man das nicht überbewerten. Shani Davis sagt immer wieder: „Was andere von mir denken, ist mir so etwas von egal.“ Er hat sich schon immer herausgehoben aus der Masse der Eisschnellläufer, allein schon durch seine Hautfarbe. Davis ist der erste afroamerikanische Olympiasieger im Eisschnelllauf. Das Thema Hautfarbe langweilt ihn inzwischen, aber er geht doch immer wieder darauf ein. „Ich hoffe, dass viele Kinder aus Minderheiten meinem Beispiel folgen und es in diesem weißen Sport versuchen“, sagte er mal.

Sie können natürlich noch mehr von ihm kopieren, die Kinder, dann fallen sie noch mehr auf, werden aber nicht unbedingt beliebt. Chad Hedrick, der 2006 vier Goldmedaillen gewinnen wollte, war in Turin so sauer, dass er verkündete, er würde sich niemals die Ehre nehmen lassen, für sein Land zu starten – netter Gruß an den Teamkollegen Davis. Das US-Team war ohne den Star Davis kläglich im Viertelfinale ausgeschieden . Den Verband verärgerte Davis, weil er sich weigerte, das Logo des Verbandssponsors zu tragen, sein persönlicher Sponsor war ihm wichtiger. Oprah Winfrey, die US-Fensehkönigin, stand dumm da, weil sie Davis zwar eingeladen hatte, der Sportler aber ausrichten ließ, vor Olympia habe er Wichtigeres zu tun als bei einer der berühmtesten TV-Shows aufzutreten.

Gold über 1000 Meter, das war ihm ganz wichtig. Und Edelmetall über 1500 Meter in der Nacht zum Sonntag, das möchte er auch gewinnen. Vor allem, weil er da gegen seinen Kollegen Chad Hedrick antritt. Die beiden haben inzwischen eine Art Burgfrieden geschlossen, aber Davis bleibt der Eigenbrötler.

Der Himmel ist seine Grenze

Selbstverständlich hat er sich auch nicht mit dem US-Eisschnelllauf-Team auf Vancouver vorbereitet. Davis drehte seine Runden entweder in Salt Lake City oder in Milwaukee – mit dem US-Shorttrack-Team. Davis ist auch begeisterter Shorttracker; mit US-Shorttrack-Star Apolo Ohno ist er eng befreundet.

Dass er seinem Team und einer TV-Legende abgesagt hat, kann er ohnehin verschmerzen. Er hatte schon einen Promi ganz anderer Güteklasse am Telefon. In Turin, verkündete Davis in Vancouver, habe sich nach seinem Sieg ein Promi aus Chicago gemeldet: Barack Obama. Und der ist inzwischen zum mächtigsten Mann der Welt aufgestiegen. „Das zeigt mir“, sagte Davis jetzt, „dass der Himmel die Grenze ist.“

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