Shaquille O’Neal : Der größte Hofnarr der Welt

Shaquille O’Neal soll in Cleveland den NBA-Titel holen. Auch Nowitzki startet hoffnungsvoll in die neue Saison.

Lars Spannagel
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Shaquille O'Neal (m.), damals noch bei den Miami Heats, in einem Spiel gegen sein künftiges Team, die Cleveland Cavaliers. -Foto: AFP

Berlin - Shaquille O’Neal hat viel Sport getrieben in diesem Sommer – Basketball war allerdings nicht dabei. Der 37 Jahre alte viermalige NBA-Champion, 15-malige All-Star, Rapper, Schauspieler und Hobby-Polizist stand für eine Realityshow vor der Fernsehkamera, bei der er gegen andere Sportstars antrat. So boxte der Center gegen den ehemaligen Weltmeister Oscar de la Hoya, sprang gegen Olympiasieger Michael Phelps ins Schwimmbecken und versuchte sich als Beachvolleyballer und Football-Quarterback. Eine Menge Ablenkung für einen Mann, der in der am heutigen Dienstag beginnenden neuen NBA-Saison doch eine von ihm selbst ausgerufene Mission zu erfüllen hat: O’Neal will nach seinem Wechsel zu den Cleveland Cavaliers „einen Ring für den King“ gewinnen.

Der King, das ist LeBron James, genannt King James, der „Wertvollste Spieler“ der vergangenen Saison. Und bei dem von O’Neal erwähnten Ring handelt es sich um das Schmuckstück, mit dem sich der NBA-Meister schmücken darf.

Doch der aufsehenerregende Transfer der Cavaliers lässt zum Saisonauftakt viele Fragen offen: Wie fit ist O’Neals 2,16 Meter großer und fast 150 Kilogramm schwerer Körper in seinem 18. Profijahr? Bleibt „Shaq“ im kalten Cleveland nach sonnenverwöhnten Profistationen in Orlando, Los Angeles, Miami und Phoenix bei Laune? Wird sich der zu Albernheiten neigende Koloss auf Basketball konzentrieren oder zum Hofnarr seines neuen Königs machen? Wie geht LeBron James damit um, erstmals einen Star neben sich dulden zu müssen?

Neben Cleveland gelten die Champions der vergangenen beiden Jahre – die Boston Celtics und die Los Angeles Lakers – als größte Favoriten auf den Titel. Beim Titelverteidiger Lakers ruhen die Hoffnungen neben Superstar Kobe Bryant auf Kämpfertyp Ron Artest, dessen Verpflichtung aus Houston wegen seines schwierigen Charakters allerdings mindestens genauso umstritten ist wie Clevelands Wagnis mit O’Neal. Die Celtics bauen auf ihren nach einer langwierigen Knieverletzung wieder genesenen Anführer Kevin Garnett.

Zum Kreis der Mannschaften, die Außenseiterchancen besitzen, gehören auch Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks. Nach einem Sommer voller privater Probleme und einem Verzicht auf die EM in Polen ist der deutsche Nationalspieler sieben Kilogramm leichter nach Dallas zurückgekehrt. Mit Neuzugang Shawn Marion soll das Spiel der Mavericks schneller werden, da würde viel Gewicht Nowitzki nur stören. Wichtig für den deutschen Nationalspieler war in den letzten Monaten vor allem, die schmerzhafte Trennung von seiner als Betrügerin entlarvten Verlobten zu verarbeiten. „Ich freue mich darauf, das alles jetzt hinter mir zu lassen und mich wieder auf Basketball zu konzentrieren“, sagte Nowitzki einem Reporter der Liga-Internetseite nba.com, bereits in der Schlussphase der letzten Saison hätten die Spiele „so etwas wie eine Flucht“ für ihn dargestellt.

Sollte das in die Jahre gekommene Mavericks-Team um den 31-jährigen Nowitzki gesund bleiben, steht Dallas eine gute Saison bevor. Ob der umgebaute Kader – sechs Spieler gingen, neun Spieler kamen – aber ausreicht, um die starke Konkurrenz in der Western Conference nach 82 Spielen der regulären Saison auch in den Play-offs in Bedrängnis zu bringen, ist allerdings fraglich. Auch wenn Coach Rick Carlisle sagt: „Für uns geht es in diesem Jahr nur um den Titel.“

Wie Nowitzki und Carlisle geht heute auch Shaquille O’Neal voller Zuversicht in das erste Spiel der Saison gegen Boston. „Auf dem Papier haben wir ein perfektes Team“, sagte O’Neal der Associated Press. Neben seinem Jahresgehalt von 21 Millionen Dollar dürfte ihn auch eine zusätzliche Motivation antreiben: Eine Meisterschaft würde nicht nur seinen fünften Titel bedeuten, sondern gleichzeitig auch den fünften seines ungeliebten ehemaligen Mitspielers Kobe Bryant verhindern. Für das Ziel, seinem alten Widersacher eins auszuwischen, sollte es sich doch lohnen, auf alle Mätzchen auf und abseits des Basketballfelds zu verzichten.

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