Shorttrack : Davis verneigt sich vor Ohno

Als auch Apolo Anton Ohno sein olympisches Tagwerk beendet hatte, musste Shani Davis noch einmal vors Mikrofon. Zweieinhalb Stunden nach dem eigenen Finale über 1.500 Meter gab der bemerkenswerteste Eisschnellläufer der USA extra eine Pressekonferenz, um über den bemerkenswertesten Shorttracker der USA zu sprechen.

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Ohno, Sohn eines Japaners, der sich früh von seiner Frau trennte und den kleinen Apolo Anton alleine großzog, und Davis, der 2006 als erster dunkelhäutiger Athlet Eisschnelllauf-Gold bei Olympia gewann, sind gut befreundet. Zudem betrieb Ohno (27) früher Davis’ Sport, Davis (26) schnallt heute gerne mal die Shorttrack-Schuhe unter. Auch wenn beide Männer inzwischen zu den ganz Großen ihrer Sportarten zählen, haben sie gemeinsam, dass sie auf dem Weg dorthin Turbulenzen überstehen mussten.

So gewann Apolo Anton Ohno 2002 in Salt Lake City über 1.500 Meter nicht nur sein erstes olympisches Gold, er wurde mit diesem Sieg in Südkorea zugleich zum Staatsfeind Nummer eins. Der ursprüngliche Sieger Kim Dong Sung war nach einer Rempelei mit dem wilden Amerikaner disqualifiziert worden. Ohno erhielt Morddrohungen. Als Südkorea wenige Monate später bei der Fußball-WM gegen die USA zum 1:1 ausglich, feierte der Torschütze seinen Treffer, indem er ein paar Schlittschuhschritte auf dem Rasen machte.

Shani Davis bekam auch Probleme. Allerdings nicht mit Südkoreanern, sondern mit Amerikanern. Als „Landesverräter“ wurde er vor vier Jahren beschimpft, weil er bei den Spielen in Turin nicht für die USA im Teamwettbewerb antreten wollte. Einzig ein gewisser Barack Obama, damals noch Vertreter des Bundesstaates Illinois im US-Senat, stand ihm moralisch zur Seite, indem er Davis eine aufmunternde SMS nach Italien schickte.

Ohno hatte zwischenzeitlich schon mit dem Sport aufgehört

Am Samstag nun sollte Shani Davis, der zuvor dem Niederländer Mark Tuitert überraschend Gold über 1.500 Meter hatte überlassen müssen, ein paar freundliche Worte verlieren. Über seinen Kumpel Apolo Anton Ohno, der mit dem dritten Platz im Shorttrack-Finale über 1000 Meter gerade seine siebte Olympia-Medaille gewonnen hatte. Ohno schwang sich damit zum erfolgreichsten Wintersportler der USA auf. Zwei Mal Gold, zwei Mal Silber und drei Mal Bronze haben ihn zum nationalen Medaillen-King gemacht. „Ich denke, für Apolo ist das etwas ganz Besonderes“, sagte Shani Davis bei seiner Laudatio und erinnerte im gleichen Atemzug daran, dass Ohno 1998 ja noch die Olympia-Qualifikation verpasst hatte. „Er hat angefangen, indem er zuschauen musste, wie andere seinen olympischen Traum gelebt haben. Dieses Feuer hat er genutzt, um sich selbst zu motivieren.“

Bei Apolo Anton Ohno brennt dieses Feuer mitunter lichterloh. „Ich klebe mir keine Ergebnisse auf den Körper“, sagte er am Samstag nach seiner kleinen historischen Tat im Pacific Coliseum. „Ich betrachte mich einfach als Athleten, der gerade bei seinen dritten Olympischen Spielen antritt und sich dabei die Seele aus dem Leib rennt.“ Das wird Papa Yuki Ohno, Besitzer eines Friseursalons, gerne hören. Schließlich brachte er den Jungen zu dem Sport, in dem Ohno seit der ersten Olympia-Teilnahme 2002 zum internationalen Star aufstieg.

Nach den Spielen 2006 in Turin hatte Ohno vorübergehend mit dem Sport aufgehört, arbeitete für eine Talent-Agentur, trat in Fernsehshows auf, genoss das Leben. Jetzt ist er wieder zurück, gewinnt weiter Medaillen. „Drei Mal bei Olympia – das hat kein anderer Shorttracker hier geschafft“, sagt er, bereitete womöglich aber schon seinen Abschied vor: „Womöglich sind dies nun auch meine letzten Spiele.“

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