Shorttrack : Surfer und Lokomotiven

Olympia-Wettkampf des Tages: Asiaten und Nordamerikaner dominieren im Shorttrack. Die Deutschen sind wie in den anderen modernen Wintersportarten nur Mitläufer. Am Donnerstag fällt die Entscheidung im 500-Meter-Rennen der Frauen.

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Alles auf Rot. Die Chinesin Wang Meng (links) gewann schon 2010 Gold – auch diesmal ist sie wieder Favoritin.
Alles auf Rot. Die Chinesin Wang Meng (links) gewann schon 2010 Gold – auch diesmal ist sie wieder Favoritin.Foto: Imago

Shorttrack ist nicht nur Sport, Shorttrack ist eine Einstellung. Genau wie die gefühlt modernen Skihüpfer auf Buckelpiste, Board oder Halfpipe mit den Skifahrern alter Schule konkurrieren, weht beim Shorttrack ein anderer Fahrtwind als beim klassischen Eisschnelllauf. Lange Haare, Tatoos und Sonnenbrillen sind Dresscode bei der nordamerikanischen Gruppe dieser Sportart, die erst seit 1992 olympisch ist. Der Kanadier Charles Hamelin ist der Star dieser Fraktion, die sich vom Surfboard auf das Eisoval verirrt zu haben scheint. In Sotschi entschied er bereits die 1500 Meter der Männer für sich.

Charles Hamelin gewann die erste von acht Goldmedaillen, die im Shorttrack bei den Winterspielen zu holen sind. 500, 1000, 1500 Meter sind die Einzelstrecken, die Frauen laufen eine Staffel über 3000, die Männer über 5000 Meter. Der Kanadier Hamelin – Spitzname: „The Locomotive of Sainte-Julie“ – sei nach seinem dritten Olympiasieg in seiner Heimat auf dem Weg zu „einer Legende“, schreibt die kanadische Tageszeitung „The Globe and Mail“. In Hamelins Heimatland ist die Sportart seit Jahren ungemein populär, zumal es ja auch an jeder Ecke Eishockeyfelder gibt, auf dem sich Shorttracker austoben können.

Der lustige Kerl mit den zottelig dunklen Haaren und dem modischen Bart sehe aber nur so locker aus, sagt sein Vater Yves Hamelin: „Charles fühlt sich nur wohl, wenn er vorneweg fährt.“ Und darauf kommt es an, beim K.-o.-Laufen im 111 Meter langen Rundkurs, der in Sotschi bei den Finalläufen in der Eisberg-Arena, der großen Eiskunstlaufhalle ausgetragen wird. 12 000 Zuschauer passen rein und sie werden kommen, auch wenn die Russen keine Rolle spielen. Genau wie die beiden deutschen Starter, die mit ihrer Minimannschaft das Klischee bestätigen, das Deutschland im Wintersport überall nicht gut dabei ist, wo der Trend hingeht. Der Dresdner Robert Seifert schied bereits im ersten Vorlauf über 1500 Meter aus. Anna Seidel kommt ebenfalls aus Dresden und ist erst 15 Jahre alt. Sie will in Sotschi vor allem „Spaß haben“, wie sie sagt.

Die schrägsten Auftritte in Sotschi
Eigentlich geht es bei den Hipster-Olympics ja eher ums Selfies-Schießen. Der Slowene Filip Flisar tritt aber im Skicross an.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: Reuters
20.02.2014 15:01Eigentlich geht es bei den Hipster-Olympics ja eher ums Selfies-Schießen. Der Slowene Filip Flisar tritt aber im Skicross an.

Die erfolgreiche Welt der Shorttracker teilt sich in zwei Lager: In die vom lockeren Outfit her unschwer als vor allem kanadische-britische Fraktion – die Engländerin Elise Christie aus Livingston ist eine Medaillenfavoritin in Sotschi – zu erkennende, und in eine asiatische. In Südkorea sind erfolgreiche Läufer Volkshelden, allerdings wird es für sie wenig Gold bei Olympia geben, denn die Allerbeste kommt aus China. Wang Meng gewann in Vancouver 2010 drei Goldmedaillen, damit war sie hinter Langläuferin Marit Björgen aus Norwegen die zweiterfolgreichste Sportlerin der Winterspiele von Kanada. Ähnliches ist ihr ab Donnerstag auch in Russland zuzutrauen, wenn bei den Frauen die erste Entscheidung der Winterspiele über 500 Meter fällt.

Einen so lustigen Spitznamen wie die Lokomotive aus Kanada hat Wang Meng allerdings nicht, dafür kann ihre größte Konkurrentin damit aufwarten: Fan Kexin, ebenfalls aus China, heißt in der Szene „The Shadow of Wang Meng“. Weil sie eben meist im Schatten der Besten läuft. Und am ehesten auch mal aus ihrem Schatten herauslaufen kann.

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