Sport : Show und Sprüche Wie die Sprinter Green und Chambers in Paris auftreten

Frank Bachner

Scheinwerfer strahlten, vorne eine Bühne, ihr Boden dekoriert mit acht Laufbahnen wie in einem Leichtathletik-Stadion, und auf der Bühne, zwischen zwei riesigen Tafeln mit dem Logo eines Sportartikel-Herstellers eine weiße, transparente Leinwand. Zwei menschliche Silhouetten standen hinter dieser Leinwand, Rücken an Rücken, ihr Profil nur als hell ausgeleuchtete Schatten zu sehen. Jeder hatte einen Schuh in der Hand, sie trugen ihn wie einen Colt, dann lösten sie sich voneinander, drehten sich und, mächtiger Knall, durchbrachen die Leinwand. Ladies and Gentlemen, die Sie in diesem großen Saal in einem Bürohaus in Paris sitzen: Hier sind sie, Maurice Greene und Dwain Chambers. Sprint-Stars aus den USA und Großbritannien.

Ihr Ausrüster hatte die Idee zu diesem PR-Auftritt. Chambers schien er zunächst zu gefallen, er lachte breit. Greene mochte das Ganze offenbar nicht, er lächelte verkrampft. Greene, der dreimalige Weltmeister, der Showman aus Kansas, USA, verlegen neben einem Showman, der diese Rolle noch besser beherrscht. Doch als die beiden sprachen, veränderte sich die Rollenverteilung. Greene sagte, dass er nach Paris gekommen sei, um 100-m-Weltmeister zu werden, Chambers sagte das Gleiche. Es waren Sprüche, aber sie wirkten nur bei Greene überzeugend, obwohl er nicht in Topform ist.

Chambers hat eine Bestzeit von 9,87 Sekunden, er könnte den Titel holen, jetzt, da auch Tim Montgomery, der Weltrekordler, in der Krise steckt. Aber Chambers hockte verkrampft auf seinem Stuhl und redete unverständlich. Ein englischer Journalist, der ihn schon lange kennt, sagte später, Chambers habe bewusst so geredet. Eine Art Gegenwehr. „Er hasst solche Termine. Er ist eigentlich ein sehr ruhiger Mann.“ Trotzdem wird man nicht wirklich schlau aus dem Mann aus London, dem einige den Titelgewinn zutrauen. Er hat Maurice Greene schon mehrfach besiegt, und es gibt noch diese Sprüche. „Ich bin überzeugt, dass der menschliche Körper 9,65 Sekunden schaffen kann. Und dies ist der Körper, der es schaffen kann.“ Das sagte er Ende Februar, und er sprach von sich.

Aber solche Sätze passen nicht zu dem Chambers, den englische Reporter beschreiben. Die sagen, er sei sensibel, er komme mit Druck nicht klar. Die Frage ist, ob Chambers nervenstark genug ist, im wichtigsten Finale des Jahres gegen Greene zu bestehen. Manchmal scheitert er schon an kleinen Aufgaben. Für die TV-Kameras sollten Greene und Chambers nach der Pressekonferenz erneut durch die Leinwand springen. Es gab dann auch einen Knall: Greene stand auf der Bühne. Chambers war gegen einen Begrenzungspfosten gesprungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben