Sport : Showdown auf dem Subkontinent

Bei der WM geht es um die Zukunft des Cricket

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Ein letztes Mal ausholen. Indiens CricketStar Sachin Tendulkar will seine Karriere nach der Heim-WM beenden. Foto: Reuters
Ein letztes Mal ausholen. Indiens CricketStar Sachin Tendulkar will seine Karriere nach der Heim-WM beenden. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Frisches Geld oder alte Werte? Darüber wird während der Cricket-Weltmeisterschaft, die derzeit in Indien, Bangladesch und Sri Lanka stattfindet, heftig diskutiert. Die globale Fangemeinde ist tief gespalten darüber, wie es mit dem Sport weitergehen soll. Da sind die Traditionalisten, die nichts auf das klassische Testcricket, bei dem ein Match fünf Tage dauert, kommen lassen. Für sie ist Cricket mehr als ein Spiel. Ihnen gilt es noch als Schule des englischen Gentlemans. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort „That's not Cricket“ - „Das ist nicht fair“. Aber die Gewichte haben sich verschoben. Das wirtschaftliche Zentrum des Cricket befindet sich mittlerweile in Indien.

Während Cricket in England oder Australien hinter Fußball oder Rugby zurückstehen muss, ist es auf dem Subkontinent die Nummer eins. Entsprechend hoch fallen die TV- und Sponsorengelder aus, die Spieler sind Topstars und Werbe-Ikonen.Populär ist vor allem eine Kurzform des Spiels, das Twenty20. Die Matches dauern nur drei Stunden und sind deutlich rasanter. Den Durchbruch schaffte das Twenty20 mit dem Debüt der Indian Premier League (IPL) 2008, in der Teams gegeneinander spielen, hinter denen Milliardäre und Großkonzerne stehen. Die Spieler können dort in wenigen Wochen mehr verdienen als sonst in ihrer ganzen Karriere. Daher zieht die Liga auch internationale Topstars an. Auf die wartet ein Kulturschock: Mit Cheerleadern, Werbeunterbrechungen und hysterischen Fernsehkommentatoren ist die durchkommerzialisierte IPL das Gegenteil der traditionellen Cricketkultur.

Bei der WM wird allerdings weder Twenty20 noch Testcricket gespielt. Sie wird im 50-Over-Format ausgetragen, bei dem ein Match acht Stunden dauert. Es gilt als unattraktiv, weil ihm sowohl die epische Größe des Testcrickets als auch die Intensität des Twenty20 fehlt. Auch der Modus ist umstritten: Die Vorrunde wird in zwei Siebenergruppen ausgetragen, insgesamt 42 Matches sind nötig, um die Viertelfinalisten zu ermitteln. Viele Spiele sind sportlich belanglos – allerdings bringen auch sie Werbeeinnahmen. Bei der vergangenen WM, an der 16 Teams teilnahmen, wurde noch in Vierergruppen gespielt. Ziel war es, die vermeintlich unattraktiven Außenseiter möglichst früh zu eliminieren. Das ging allerdings schief: Nach einer sensationellen Niederlage gegen Bangladesch schied Indien bereits in der Vorrunde aus. Nun ist garantiert, dass die Mannschaften, die hohe Einschaltquoten versprechen, länger im Turnier bleiben.

Bei aller Kritik verspricht die WM größere Spannung als zuletzt. Die letzten drei Turniere gewann das australische Team, das inzwischen in einer Umbruchphase steckt. Es zählt zwar zu den Favoriten, aber auch Indien, Sri Lanka und Südafrika werden Chancen eingeräumt. Vor allem Indien, das sein Auftaktspiel gegen Bangladesch diesmal souverän gewann, wird aufgrund des Heimvorteils hoch gehandelt, denn beim Cricket spielen die äußeren Bedingungen eine große Rolle. Dass das indische Team im Falle eines Sieges eine neue Ära begründen könnte, ist aber unwahrscheinlich, steht es doch vor einer Zeitenwende: Mit Sachin Tendulkar (37), verabschiedet sich die größte Sportlerpersönlichkeit des Landes von der internationalen Bühne. Seit seinem Nationalmannschaftsdebüt 1989 wird er von seinen Landsleuten verehrt, inzwischen hält er fast alle Rekorde für Schlagmänner. Selbst wenn Indien tatsächlich den Titel gewinnen sollte, dürften sich daher bei den Fans in die Freuden- ein paar Abschiedstränen mischen.

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