Sport : Showgala in der Max-Schmeling-Halle: Turnfans in Eile

Ingo Wolff

Ein Turner sollte sich schnell bewegen können, will er zu den Besten gehören. Peter Nikiferow musste gestern besonders schnell zu Fuß sein. Nicht weil der Turner des SC Berlin sonst beim Auftakt der Bundesliga-Finalrunde gegen den TK Hannover keine Chance gehabt hätte, sondern weil er danach schleunigst vom Sportforum Hohenschönhausen in die Max-Schmeling-Halle eilen musste. Dort starte nur wenige Minuten nach Wettkampfende die Showgala des Deutschen Turnerbundes (DTB), wo ebenfalls seine Turnkunst gefragt waren - wenn auch mehr deren ästhetischer Teil.

Doch nicht nur Nikiferow musste im Eilschritt zwischen den Hallen pendeln. Auch der Olympiasechste Marius Toba sowie sein Hannoveraner Teamkollege Sergej Pfeifer wechselten das Metier vom Leistungs- zum Schauturnen. Auch sie gehörten zum Programm der "Gymmotion" mit internationalen Stars der Gymnastik-, Akrobatik-, Trampolin- und Rhönrad- und Kunstturnszene.

Terminhatz in einer Sportart, die zwar zum Kern der Olympischen Spiele gehört, aber im Leistungsbereich von vielen Sportinteressierten als exotisch oder gar nicht wahrgenommen wird. Bester Beleg dafür sind die Heimwettkämpfe des SC Berlin, zu denen allenfalls zweihundert Fans kommen, obwohl der Berliner Turnerbund mit rund 60 000 Mitgliedern zweitstärkster Verband im Landessportbund (LSB) ist. Umso erstaunlicher erscheinen die mehr als 7000 Zuschauer, die Jahr für Jahr zur Turngala strömen.

Für LSB-Präsident Peter Hanisch ein schmerzliches Auseinanderklaffen zwischen Schau- und Leistungsturnen, denn als Ehrenpräsident des Turnerbundes liegt im die Entwicklung des gesamten Turnsports am Herzen. Immerhin sei es mit Sonderaktionen über die Vereine gelungen, die Halle so zu füllen, dass dem DTB nicht mangelndes Interesse signalisiert wird. Im Leistungsbereich räumt er aber Versäumnisse ein. Für Zuschauer sei die Bundesliga zu wenig abwechslungsreich. Deshalb werde man sich in den kommenden Monaten Gedanken machen über Modusveränderungen und auch über das Rahmenprogramm. Hanisch gibt der Gala dabei durchaus Vorbildfunktion. Denn der Showcharakter im Turnen scheint das Publikum doch zu faszinieren. Für den Mannschaftsführer des SCB, Siegfried Wüstemann, ist diese Absicht vor allem ein finanzielles Problem. Große Sprünge könne man sich nicht erlauben, und auch von den Medien fühle er sich vernachlässigt. Möglicherweise ein Teufelskreis, der durch diese Terminüberschneidung noch verschärft wurde. Wer, außer den hartgesottenen Turnfans, geht an einem Tag schon zu zwei Veranstaltungen?

Dass beide am selben Tag stattfinden, stand von vornherein fest. Allerdings lagen zunächst vier Stunden zwischen beiden Anfangszeiten. Der DTB entschied sich dann aber kurzfristig, die Gala auf die familienfreundlichere Zeit von 17 Uhr vorzuziehen. An eine Verschiebung in der Bundesliga war da nicht mehr zu denken. Der Terminplan ist zu voll für eine sinnvolle Alternative. Sehr zum Leidewesen von Nikiferow und Co., die binnen vier Stunden zwei Auftritte hatten.

Wüstemann sieht darin übrigens kein Problem: "Zu beiden Veranstaltungen kommen ohnehin die selben Zuschauer." Neue Zuschauer können aber wohl kaum durch solch eine Hatz gewonnen werden.

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