Sport : Showtime im Gerichtssaal

Basketball-Star Kobe Bryant wird der Vergewaltigung bezichtigt – seine Verteidigung arbeitet mit allen Mitteln, um eine Anklage zu verhindern

Matthias B. Krause

New York. Dass der bis dahin makellose Ruf von Basketball-Supermann Kobe Bryant Schaden nehmen würde, lag auf der Hand. Doch die Geschwindigkeit ist überraschend. Keine fünf Monate ist es her, dass eine junge Angestellte eines Luxushotels in den Rocky Mountains den Star der Los Angeles Lakers der Vergewaltigung bezichtigte. Vergangene Woche musste Bryant nun zum zweiten Mal vor einem Bezirksgericht in Eagle/Colorado erscheinen.

Wieder ging es um die Frage, ob ihm der Prozess gemacht wird. Anklage und Verteidigung überboten sich vor den 50 Zuschauern im Saal und den Millionen, die am Fernseher live dabei waren, gegenseitig in ihren Versuchen, die Öffentlichkeit zu beeinflussen. Zurück blieb eine geteilte Nation, die sich nicht entscheiden kann, auf welche Seite sie sich schlagen soll. Und die Frage wird immer lauter, ob Bryant nicht diese Saison aussetzen sollte, um seinem Klub den Dauertrubel zu ersparen.

Zur Verblüffung der Rechtsexperten bestand Bryants Verteidigung darauf, dass die Anklage ihre Vorwürfe detailliert untermauerte. Also schilderte ein Sheriff, was ihm das vermeintliche Opfer nach dem Vorfall, den Bryant als einvernehmlichen Sex bezeichnet, berichtet hatte. Ein Flirt endete nach ihrer Aussage damit, dass Bryant die junge Frau mit beiden Händen um den Hals griff, über einen Stuhl beugte und zum Geschlechtsverkehr zwang. Nach fünfeinhalb Stunden Reality-TV im Gerichtssaal hatte der Richter genug. Als Bryants Verteidigerin wiederholt gegen die Regeln verstieß, vertagte Frederick Gannett die Sitzung, warf die Zuschauer raus und bestellte die Vertreter beider Parteien zum Rapport in sein Richterzimmer.

Bryants Rechtsbeistand hatte bis dahin sechsmal den vollen Namen des Opfers genannt, der eigentlich aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werden sollte. Im Kreuzverhör fragte sie den Sheriff zudem, ob die von den Ärzten festgestellten Verletzungen nicht auch eine Folge davon seien könnten, dass die Frau an drei aufeinanderfolgenden Tagen mit drei verschiedenen Männern intime Kontakte gehabt habe. Mit der Sache hat das alles nichts zu tun, wohl aber mit der Beeinflussung der Öffentlichkeit und damit auch einer noch zu wählenden Jury.

Bryants Verteidigung versucht mit allen Mitteln, die Reputation der Anklägerin zu beschädigen. Den Namen der Klägerin trotz der Morddrohungen, die in der Vergangenheit gegen die Frau ausgesprochen wurden, öffentlich zu nennen, soll den Richter dazu bewegen, bei der Hauptverhandlung die Öffentlichkeit auszuschließen.

Der 25 Jahre alte Basketballer selbst schaute sich das unwürdige Schauspiel schweigend und an seiner Unterlippe nagend an. Eigentlich hätte er statt in Colorado auf Hawaii sein sollen, wo sich die Lakers auf die am 28. Oktober beginnende Saison in der Profiliga NBA vorbereiten.

Dass Bryant unter diesen Umständen seinem Klub wirklich helfen kann, ist unwahrscheinlich. Zwar ist der Flügelspieler für seine Fähigkeit bekannt, sich mit Tunnelblick nur auf das Spiel zu konzentrieren. Doch in den ersten Trainingstagen stellten die Verantwortlichen Veränderungen an ihrem Angestellten fest. Vor einem Jahr hatte sich Bryant fast zehn Kilogramm zusätzliche Muskelmasse antrainiert, um gegen die physisch starken Verteidiger besser zu bestehen. Dieses Mal erschien er mit Untergewicht – und mit einer schlechten Entschuldigung einen Tag zu spät.

Die Aussicht auf ein Urteil, das ihn lebenslänglich ins Gefängnis bringen könnte, jage ihm unheimliche Furcht ein, gestand Bryant den Reportern. Er habe überlegt, nicht zu spielen, solange der Prozess anhängig sei, sich aber dagegen entschieden. Doch Basketball sei nicht mehr so wichtig in seinem Leben, sagte Bryant und zeigte den Fotografen eine handgroße Tätowierung auf seinem linken Oberarm.

In die Haut gestochen ist dort eine wirre Mischung aus Glaubensbekenntnis zu seinem Gott und seiner betrogenen Frau Vanessa, die den Kolumnisten der Nachrichtenagentur „Associated Press“ zu der Bemerkung veranlasste: „Bryant hat früher nie über seinen Glauben gesprochen. Es ist lustig, wie schnell ein Mann religiös werden kann, wenn er in Schwierigkeiten steckt.“

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