Sicherheit bei der Fußball-EM : Zwei Elitepolizisten pro Nationalteam

Spezialeinheiten, Metalldetektoren, Grenzkontrollen: Gut zwei Wochen vor der Fußball-EM stellen die Gastgeber ihr Sicherheitskonzept vor. Frankreich verspricht „maximale Vorkehrungen".

Aufmarsch. Rund um die Stadien, wie hier beim Testspiel Frankreich gegen Russland, soll es so sicher wie möglich zugehen.
Aufmarsch. Rund um die Stadien, wie hier beim Testspiel Frankreich gegen Russland, soll es so sicher wie möglich zugehen.Foto: REUTERS

Mehr als 90.000 Polizisten, Rettungskräfte und private Sicherheitsleute sollen die Fußball-EM in Frankreich vor Terror und Hooligans schützen. „Niemand, und vor allem nicht die Terroristen, wird uns daran hindern, normal zu leben“, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Mittwoch bei der Vorstellung der Sicherheitsvorkehrungen in Paris. Frankreich werde ein Maximum an Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, „auch wenn jeder weiß, dass es null Risiko nicht gibt“. Nach den Terroranschlägen des vergangenen Jahres ist die Sicherheit des Turniers, das am 10. Juni beginnt, ein brisantes Thema. Der Kontext sei ganz anders als bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich, sagte EM-Organisationschef Jacques Lambert - und die Vorkehrungen deshalb „sehr viel komplexer, vollständiger, härter“.

Streiks und Demonstrationen sorgen für zusätzliche Unruhe

Hinzu kommen derzeit Sorgen angesichts anhaltender Streiks, Demonstrationen und durch Gewerkschafts-Blockaden verursachte Benzinknappheit an vielen Tankstellen. Cazeneuve bemühte sich, die Bedenken zu zerstreuen: Das soziale Klima sei keine Bedrohung. Er versicherte zudem, dass alle nötigen Konsequenzen aus den Sicherheitsproblemen beim Pokalfinale im Stade de France am vergangenen Samstag gezogen würden. Dabei hatten Fans trotz verschärfter Kontrollen Rauchbomben ins Stadion geschleust, zudem stauten sich große Menschenmengen vor den Eingängen.

72.000 Polizisten und Gendarme sind im Einsatz

Cazeneuve betonte nun erneut, das Spiel zwischen den Erzrivalen Paris Saint-Germain und Olympique Marseille sei kein echter Test für die EM gewesen: „Nicht die gleichen Zuschauer, nicht der gleiche Organisator, nicht die gleichen Sicherheitsmaßnahmen“, sagte er in einem Interview der Sportzeitung „L'Équipe“. Um Stadien, Fanmeilen und die 24 EM-Teams zu schützen, setzt Frankreich 72-000 Polizisten und Gendarme ein. Die EM-Veranstalter, die für die Sicherheit innerhalb der Stadien und Fanmeilen zuständig sind, haben außerdem 13.000 private Sicherheitsleute angeheuert. Besucher müssen sich auf dem Weg in die Stadien auf doppelte Sicherheitskontrollen mit Abtasten einstellen, auch an den Fanmeilen soll jeder Besucher überprüft werden.

Jedes Team bekommt zwei Elite-Polizisten zur Seite

Spezialeinheiten stehen nicht nur an allen Stadien bereit, auch jedes EM-Team bekommt je nach Grad der Gefährdung mindestens zwei Elite-Polizisten an die Seite. Jedes Teilnehmerland schickt eine Delegation aus acht Polizisten zur Unterstützung nach Frankreich. Sie sollen dabei helfen, mögliche Gefährder zu erkennen, und sind bei allen Spielen ihrer Teams im Stadion präsent. Frankreich hat den Ausnahmezustand mit Sonderrechten für die Behörden gerade erst um zwei Monate bis Ende Juli verlängert und will auch während der EM weiter Grenzkontrollen durchführen. Bei der Pariser Terrorserie des 13. November 2015 hatten sich auch drei Selbstmordattentäter im Umfeld des Stade de France in die Luft gesprengt, wo gerade die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar