Sport : Sicherheit verloren

Eisbären-Siegesserie endet mit einem 1:3 gegen Köln

Claus Vetter

Berlin - Hans Zach hatte einen seiner Lieblingsmomente. Der kantige Oberbayer gab sich am späten Sonntagnachmittag im Sportforum so, wie sich der Eishockeytrainer gerne gibt, wenn er ein Spiel gewonnen hat: Listig bis lustig. 3:1 (1:0, 1:0, 1:1) hatten die von ihm betreuten Kölner Haie in Berlin gewonnen, und dann gab es von Eisbären-Marketingchef Billy Flynn noch als Geschenk zwei schmucke, mit dem Eisbärenkopf verzierte Pucks. „Danke Billy“, sagte Zach. Und die Pucks verschwanden etwas ungelenk in der Manteltasche des Trainers. Trotzdem, während Zach an seinem Mantel nestelte, warf er schon mal ein Statement in die Runde. „Wie sagt man so schön?“, fragte er und beantworte die eigene Frage mit einem schön angestaubten Stereotyp. „Was lange währt, wird endlich gut. Es ist an der Zeit gewesen, dass wir in Berlin gewinnen.“

Es ist aus Sicht von Zach an der Zeit gewesen: Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2003 hatten die Haie in Berlin nicht gewonnen. Genauso an der Zeit war es wohl, dass eine imposante Serie der Eisbären ein Ende fand. Zehn Spiele hatten sie in der Deutschen Eishockey-Liga in Folge gewonnen. An sich also war das 1:3 gegen gute Kölner für die Berliner keine Katastrophe, zumal sie als Tabellenzweiter weiter punktgleich mit Tabellenführer Ingolstadt sind. Trotzdem fand Pierre Pagé die Vorstellung seiner Spieler „inakzeptabel“. Schon am Donnerstag, beim 4:3-Erfolg in Ingolstadt, seien seine Spieler zu selbstsicher aufgetreten.

Sicherheit kommt eben zwangsläufig, wenn man Spiele scheinbar mühelos in Serie gewinnt. Dass es gegen Köln für die Eisbären anders kam, lag wohl daran, dass sie nach einer für sie unglücklichen Szene im ersten Drittel verunsichert waren: Sekunden vor der Pausensirene wurde an der blauen Linie der Kölner ein Schuss von Derrick Walser von Mirko Lüdemann geblockt. Walser eilte zurück, bekam den Puck aber nicht unter Kontrolle, weil der heranstürmende Kölner Verteidiger um einiges schneller war. Am Ende des Laufduells über zwei Drittel der Eisfläche hatte Lüdemann zwei Meter Vorsprung vor Walser und der Puck landete im Tor von Tomas Pöpperle, genau im rechten oberen Winkel. Ein selten schönes Tor hatte Lüdemann da erzielt, was Pagé allerdings nicht erfreute: „So ein Fehler darf einem erfahrenen Spieler wie Walser nicht passieren.“

Für die Eisbären fiel das Tor zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn bis zum 0:1 hatten sie in einem schnellen und gutklassigen Spiel die besseren Aktionen gehabt, waren aber immer wieder an ihrem alten Mannschaftskameraden Oliver Jonas im Kölner Tor gescheitert. Doch im zweiten Drittel fanden die Eisbären ihre Linie einfach nicht mehr. Die Haie dagegen freuten sich nach 27 Spielminuten über ein Tor von Tino Boos. Die Berliner, bei denen Stürmer Sven Felski nach auskurierter Schulterverletzung ein diskretes Comeback feierte, wirkten geschockt. Erst im letzten Drittel stemmten sie sich energisch gegen die drohende Niederlage. Eine schöne Kombination schloss Denis Pederson mit dem Tor zum 1:2 ab. Doch aller Berliner Drang fand keine Belohnung mehr: Jeremy Adduono schoss zwei Minuten vor Schluss nach einem Konter das dritte Kölner Tor.

So standen am Ende auf der neuen Videowand im Sportforum betrübliche Zahlen für die Berliner, ihre Siegesserie war beendet. Die Kölner kamen dagegen um einen unerwünschten Klubrekord herum. Eine Niederlage wäre für sie bereits die fünfte in Folge gewesen. Aber die Gefahr bestand für die Haie ja nicht, weil laut Trainer Zach sein Torwart Jonas wegen der „Schmährufe“ von den mit 5000 Zuschauern gefüllten Tribünen besonders motiviert war. „Oliver wollte es den Eisbären-Fans zeigen“, sagte Zach. Zumindest gestern hat das Jonas mit einer sehr guten Leistung geschafft.

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