Sport : Sie erwarten Respekt

Vor dem Play-off-Viertelfinale kämpft Alba mit Trainer Emir Mutapcic um Anerkennung in der Öffentlichkeit

Benedikt Voigt

Berlin. Als Erster stürmte Emir Mutapcic auf das Parkett, eine wehende Sakkolänge hinter ihm spurteten die Ersatzspieler. Überholen konnten sie ihren Chef jedoch nicht. „Ich habe gezeigt, dass ich immer noch schnell bin“, sagt der Coach von Alba Berlin, „aber ich hatte auch einen Meter Vorsprung.“ Nachdem er den Spurt in den ersten Sekunden gewonnen hatte, hüpfte er zwei- oder dreimal vor Freude in die Luft. Knapp eine Woche später sitzt der 42-Jährige wieder ruhig im Parkcafé am Fehrbelliner Platz. Er sagt: „Ich war selber überrascht über meine emotionale Reaktion.“

Es war nicht allein der sensationelle Korb in den Schlusssekunden von Mithat Demirel, der den Trainer so entzückte. „Der Pokalsieg ist wichtig, wenn man bedenkt, welche Probleme wir in dieser Saison hatten“, erzählt Mutapcic, „er ist wichtig, um uns Respekt zu verschaffen.“ Das freilich verwundert. Es war sein zweiter Pokalsieg als Albas Cheftrainer. Heute startet der Bosnier im ersten Play-off-Viertelfinalspiel gegen die Opel Skyliners (Max-Schmeling-Halle, 15 Uhr) den Versuch, zum dritten Mal in Folge Deutscher Meister zu werden. Für den Verein wäre es der siebte Meistertitel in Folge. Und trotzdem glaubt Mutapcic, um Anerkennung kämpfen zu müssen.

Da ist die Sache mit Svetislav Pesic, seinem Vorgäng er. In der vergangenen Saison hatte Alba das zweite Finalspiel gegen Köln hoch gewonnen, doch in der anschließenden Pressekonferenz befragten die Journalisten fast ausschließlich den Kölner Trainer Svetislav Pesic. „An mich habt ihr keine Fragen?“, sagte Mutapcic zu den Journalisten. Als doch einer zu einer Frage anhob, winkte er ab. Heute sieht er das gelassen. Er habe sich nur gewundert, dass sich niemand für den Sieger interessierte, sagt Mutapcic. „Ich habe nie das Gefühl, im Schatten von Svetislav Pesic zu stehen.“

Da ist die Sache mit den Journalisten, die seiner Meinung nach in dieser Saison nach schlechten Spielen die unaufhörliche Verletzungsmisere nicht genug gewürdigt hätten. „Man darf kritisieren“, sagt Mutapcic, „aber die Kritik muss auch einen Inhalt haben.“

Und da ist die Sache mit dem deutschen Basketball. Fünf deutsche Nationalspieler hat der Verein, was auch Nachteile bringt. „Unsere Belastung ist hoch“, sagt Mutapcic. „In Bonn haben die Spieler nach der Saison Urlaub, bei uns muss Stefano Garris zur Europameisterschaft.“ Albas Arbeit und Verdienste um das deutsche Basketball findet er nicht genug gewürdigt. Sei es in der Öffentlichkeit, sei es durch die Bundesliga, sei es durch die Nationalmannschaft. „Der Bundestrainer hat nach der WM die gute Erziehung seiner Spieler gelobt“, sagt Mutapcic, „aber wer hat die Spieler erzogen?“ Auch Alba.

Überhaupt, der deutsche Nachwuchs. „Nachwuchsarbeit kostet Kraft und Geld“, sagt Mutapcic. In der Kadettennationalmannschaft stehen sieben Berliner Spieler, erzählt er. „Das ist schön für Berlin, aber es heißt auch, dass die anderen sich nicht mit Nachwuchsarbeit beschäftigen.“ Mutapcic blickt auf die Uhr. Vor dem Abschlusstraining muss er noch in Halle C der Schmeling-Halle. Zur norddeutschen Meisterschaft der C-Jugend. Das ist es, wofür er Respekt einfordert.

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