Sport : Sie gehen sich aus dem Weg

Kahn spielt gegen Holland – Lehmann und er stehen 2005 nicht mehr gemeinsam im Aufgebot

Michael Rosentritt

Berlin - Als Jürgen Klinsmann vor ein paar Monaten Andreas Köpke zum Torwarttrainer der deutschen Nationalmannschaft berief, verwies er auf die ruhige und ausgleichende Art des früheren Weltklassetorwarts, mit dem er 1996 Europameister geworden war. Vorausgegangen war die Trennung von Sepp Maier, der sich für den Geschmack des neuen starken Mannes des deutschen Fußballs in der Torhüterfrage zu parteiisch gegeben hatte. Maier ist schließlich auch beim FC Bayern Torwarttrainer von Oliver Kahn. Seit gestern ist Köpke nun aus dem Schatten seines Vorgängers getreten. Denn seit gestern hat die personelle Rotation im deutschen Tor einen neuen Dreh.

Oliver Kahn und sein Dauerrivale Jens Lehmann vom FC Arsenal werden in diesem Jahr nicht mehr gemeinsam zum Aufgebot der deutschen Elf gehören. Diese Entscheidung traf Klinsmann „in Absprache mit Andreas Köpke“, wie der Bundestrainer sagte.

Am kommenden Mittwoch beim Länderspiel in Rotterdam gegen die Niederlande wird Kahn im Tor stehen sowie in den Spielen gegen die Türkei (8. Oktober in Istanbul) und gegen China (12. Oktober in Hamburg). Jens Lehmann wird ebenfalls drei Einsätze in diesem Jahr bekommen: gegen die Slowakei (3. September in Bratislava), vier Tage später in Bremen gegen Südafrika sowie gegen Frankreich (am 12. oder 16. November in Paris). Da in allen sechs Länderspielen in diesem Jahr jeweils der Stuttgarter Timo Hildebrand die Nummer zwei sein wird, können sich Kahn und Lehmann aus dem Weg gehen. „Dadurch, dass sie nicht bei jedem Länderspiel dabei sein werden, haben sie mehr Zeit, sich von den ständigen Spielen in Meisterschaft, Pokal und Champions League zu regenerieren“, sagt Klinsmann. Inoffiziell dürfte die neue Regelung allerdings eine Konsequenz aus dem latent schwelenden Konflikt der beiden Torhüter sein. Immer wieder war es in der jüngeren Vergangenheit zu öffentlichen Sticheleien gekommen, selbst beim recht erfolgreich verlaufenen Confed-Cup. Zuletzt hatte Kahn Lehmann einen Seitenhieb versetzt. Nachdem Lehmann immer wieder auf die Statistik verwies, die ihn als den besseren Torwart ausweise, konterte Kahn mit der Bemerkung: „Statistiken, was ist denn das für ein Kriterium? Wenn einem nichts mehr übrig bleibt, dann werden eben irgendwelche Statistiken herangezogen. Mehr muss ich dazu nicht sagen.“

Insgeheim werden sich Klinsmann und Köpke von dieser Maßnahme eine Verbesserung des Betriebsklimas versprechen. Zudem ersparen sie den Weltklassetorhütern eine für beide jeweils unangenehme Situation. Beide haben mehrfach davon gesprochen, wie zum Teil unerträglich sie die Situation empfinden, auf der Ersatzbank Platz nehmen zu müssen und dem Konkurrenten jeweils bei der Arbeit zusehen zu müssen.

Neben Jens Lehmann erhielten für das Spiel am kommenden Mittwoch gegen die Niederlande auch Patrick Owomoyela, Marco Engelhardt, Thomas Brdaric, Mike Hanke, Christian Schulz sowie die beiden Shootingstars Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger keine Einladung, die sich beim Confed-Cup einen Stammplatz erspielt hatten. „Beide sind noch nicht in optimaler körperlicher Verfassung, weil sie auf Grund der kurzen Saisonvorbereitung logischerweise noch einen Trainingsrückstand aufweisen“, sagt Klinsmann. Für sie holte der Bundestrainer Christian Wörns, Miroslav Klose, Oliver Neuville und Dietmar Hamann zurück, die beim Confed-Cup fehlten. Der Kampf um die WM-Plätze ist eröffnet.

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