Sport : Sie haben einen Plan

Stefan Hermanns

Es ist ein bisschen unfair, die Situation des Sommers 2004 mit der des Sommers 2006 zu vergleichen. Aber spannend ist es schon. Vor zwei Jahren brauchte der Deutsche Fußball-Bund 30 Tage, bis er nach dem Rücktritt von Rudi Völler einen neuen Bundestrainer präsentieren konnte, diesmal konnte der DFB schon nach ein paar Stunden Jürgen Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw vorstellen. Vor zwei Jahren durfte das Publikum wochenlang einem verwirrenden Suchspiel beiwohnen, in dem täglich neue Kandidaten auftauchten – und über allem Lothar Matthäus als Drohung schwebte.

Der DFB hat gelernt aus jenen Chaostagen, auch wenn man sagen kann, dass es diesmal viel einfacher war, weil Klinsmanns Abschied ja schon seit zwei Jahren mehr oder weniger festgestanden hat. Das stimmt, aber genauso stimmt, dass man immer damit rechnen muss, dass einem nach einem großen Turnier der Trainer verlustig geht. Von den Trainern der 32 WM-Teilnehmer sind drei Tage nach dem Finale nur noch 19 im Amt. Darauf war Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident vor zwei Jahren nicht vorbereitet.

Diesmal hat der DFB – man darf das ruhig lobend erwähnen – einen Plan gehabt, und das ist vor allem Theo Zwanziger zu verdanken. Der Zweitpräsident des DFB hat alle Varianten durchgespielt, was angesichts der Weigerung Klinsmanns, sich in irgendeiner Weise festzulegen, eine echte Fleißarbeit war. Dass der Plan B Joachim Löw hieß, mag nicht besonders originell sein. Es ist aber auch ein Beleg dafür, dass Klinsmanns Gift im Körper des DFB langsam zu wirken beginnt.

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