Sport : „Sie haben nicht die Wahrheit gesagt“

Teamchef Ludwig über Ullrich und Pevenage

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Herr Ludwig, wie hart trifft Sie der Ausschluss Jan Ullrichs von der Tourde France?

Ich werde noch eine ganze Weile brauchen, bis ich das ganze Ausmaß erfasstund verkraftet habe. Es ist keinem, der involviert war, leicht gefallen, so zuhandeln. In den Gesprächen und Befragungen mit allen dreien (Jan Ullrich, OscarSevilla, Rudy Pevenage, Anm. d. Red.) wurde jeglicher Kontakt zum spanischen ArztFuentes ausgeschlossen. Wir haben ihnen immer gesagt, sollte es Beweise geben,dass es Verbindungen gibt, wird das auch Konsequenzen haben.

Wie und durch wen ist diese schnelle Reaktion zustande gekommen?

Das sind Details, die ich nicht bereit bin, öffentlich zu machen. Es war eine einheitliche Entscheidung vom Team und vom Sponsor. Für uns ist nur verbindlich, was von offiziellen Instanzen an handfesten Beweisen kommt, also von der Guardia Civil, von der wir die Unterlagen jetzt bekommen haben. Nur das ist relevant, nicht Vorankündigungen von Zeitungen und Sendern.

Was hat Sie am meisten enttäuscht?

Enttäuschend war vor allem, dass sie nicht die Wahrheit gesagt haben. In erster Linie betrifft das Rudy Pevenage. Der wurde besonders intensiv befragt. Er hat bei allen Gesprächen jegliche Verbindungen, selbst Telefonate und SMS, als absurd dargestellt. Dass er Fuentes kannte, hat er gesagt. Sie hatten einmal Ferienhäuser in Spanien, die dicht nebeneinander lagen. Aber dass es jetzt irgendwelchen Kontakt zu ihm gibt, hat er immer geleugnet. Die vorliegenden Beweise machen das genaue Gegenteil deutlich.

Ist Jan Ullrich ein Opfer von Rudy Pevenage?

Das ist schwer zu sagen. Momentan liegen ja keine Beweise vor, dass Jan Ullrich vor Ort war oder Blut von ihm dort liegt. Nach den Beweisen, die gegen Rudy vorliegen, muss man aber davon ausgehen, dass es nicht auszuschließen ist. Deswegen ist es jetzt schwer zu sagen: Jan ist ein Opfer. Denn Jan hat immer gesagt, zu Rudy habe er hundert Prozent Vertrauen.

Glauben Sie, dass Jan Ullrich noch einmal zurückkommt?

Jan hat einen Vertrag bis zum Jahresende. Er ist ja auch nur bis auf Weiteres suspendiert. Es liegt ja keine positive Probe vor, kein Beweis gegen ihn. Er steht aber nun einmal auf dieser Liste. Für Jan ist das natürlich ein Riesenschlag. Er muss ja auch erst einmal mit dieser Situation fertig werden und prüfen, welche Möglichkeiten für ihn bestehen, seine Unschuld zu beweisen.

Können Sie sich vorstellen, dass er bei der Deutschland-Tour wieder dabeiist?

Das ist nur vorstellbar, wenn er bis dahin seine Unschuld bewiesen hat.

Wie sind Sie und Jan Ullrich auseinander gegangen?

Wir haben erst allein gesprochen. Dann hat er sich von der Mannschaft verabschiedet. Wir haben uns in die Augen gesehen und gesagt: Kopf hoch. Dann ist er mit seinem Bruder nach Hause gefahren.

Wie geht T-Mobile nun die Tour an?

Zunächst einmal sind alle Fahrer von den gestrigen Ereignissen geschockt. Sie sind hier angetreten, um für ihren Kapitän zu fighten. Ich tue dem Team, den Fahrern und auch mir keinen Gefallen, wenn ich nun einen neuen Kapitän benenne.

Aber Sie müssen sich doch eine neue Strategie zurechtlegen.

Wir sind jetzt nur noch sieben Fahrer und haben keinen Sprinter, der in der ersten Woche etwas erreichen kann. Für uns wird es das Ziel sein, die erste Woche ohne Verluste zu überstehen.

Wie sind die verbliebenen Fahrer drauf?

Einige hatten ja in der Vorbereitung ein bisschen Probleme, Andreas Klöden, Michael Rogers, Sergej Gontschar, Matthias Kessler. Patrik Sinkewitz ist gut drauf. Aber jetzt zu sagen, wer in drei Wochen vorne stehen wird, ist schwer.

Die Fragen stellte Hartmut Scherzer.

Olaf Ludwig, 46, war 1988 Olympiasieger im Straßenrennen, 1992 gewann der Sprinter den Weltcup. Seit diesem Jahr ist er beim T-Mobile-Rennstall von Jan Ullrich Teamchef.

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