Sport : „Sie haben uns angelogen“

Nach der Insolvenz des Mitteldeutschen BC kommen schwere Managementfehler des Basketballklubs ans Licht

Benedikt Voigt

Berlin . Es musste Deutschland sein. Unbedingt wollte Wendell Alexis noch eine letzte Basketball-Saison in jenem Land spielen, das der 39-Jährige als seriös und zuverlässig kennen gelernt hatte. Bei Paok Saloniki hatte er in der vergangenen Saison das Gegenteil erlebt. Er musste um sein Geld kämpfen, schließlich kam das Gehalt gar nicht mehr. Aber das war Griechenland, solche Geschichten hört man von dort öfter. In Deutschland hingegen hat der US-Amerikaner sechs Jahre lang bei Alba Berlin gute Erfahrungen gemacht. „Da ist auch schon mal das Geld später gekommen, aber da haben sie immer mit mir geredet und die Gründe erklärt“, sagt Alexis. Und nun ist alles anders.

Wendell Alexis sitzt in einem Straßencafé und ist immer noch empört über die Vorgänge beim Mitteldeutschen BC. „Sie haben uns Spieler angelogen“, schimpft Alexis. Zu lange habe der Verein die schlechte finanzielle Situation verschwiegen. „Verzeihen Sie meine Ausdrucksweise, aber man hat auf meine Professionalität geschissen.“ Am Vortag war der Geschäftsführer des Bundesligavereins aus Weißenfels zum Training gekommen und hatte verkündet, dass der Verein insolvent ist. Trainer Henrik Dettmann stellte seinen Spielern frei, zu trainieren oder nach Hause zu gehen. Wendell Alexis verabschiedete sich sofort, was Dettmann verstehen konnte. „Er hat schon genug trainiert in seinem Leben.“

Als Grund für die Insolvenz führt der Mitteldeutsche BC an, dass zwei Sponsoren ihre Option auf eine Vertragsverlängerung nicht gezogen haben. Dieses Geld hat der Verein dringend benötigt. „Es gab keinen Plan B“, sagt Otto Reintjes, Chef der Basketball-Bundesliga (BBL). Das ist gerade das Erstaunliche. Die Verantwortlichen um den Geschäftsführer Matthias Hund, der gestern telefonisch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, rechneten offenbar nicht damit, dass Verträge nicht verlängert werden könnten. „Da sind Managementfehler begangen und falsche Entscheidungen getroffen worden“, sagt Reintjes, „deshalb lehnt die Liga eine Verantwortung für diese Insolvenz ab.“

Nach Brandt Hagen beklagt die Basketball-Bundesliga bereits die zweite Insolvenz der laufenden Spielzeit. Es könnte nicht die letzte gewesen sein. Auch Würzburg meldet finanzielle Schwierigkeiten. „Man weiß, dass es dort Probleme gibt“, sagt Reintjes, „da könnte noch etwas kommen.“

Der Mitteldeutsche BC ging mit einem Etat von 1,7 Millionen Euro in die Saison, angeblich fehlen nun 400000 Euro. Von Insidern wurde der niedrige Etat angesichts hochkarätiger Neuzugänge wie Alexis oder den Nationalspielern Steven Arigbabu und Misan Nikagbatse angezweifelt. Inzwischen sieht es so aus, als habe der MBC gar nicht so viel Geld gehabt. Dettmann berichtet, dass er seit Saisonbeginn so gut wie kein Gehalt bezogen habe. „Für mich ändert sich jetzt nicht viel“, witzelt der Coach. Alexis erzählt, dass es bereits am Jahresende zu Verzögerungen beim Gehalt gekommen sei. Im Moment fehlt noch sein aktueller Lohn.

Gestern erschien erstmals der Insolvenzverwalter Dieter Kühne beim MBC. Er will frühestens heute entscheiden, ob der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann. Durch den Gang in die Insolvenz ist sicher, dass die Spieler wenigstens einen Teil ihres Gehaltes weiterbeziehen. Die Frage ist jedoch, ob sie dafür weiterspielen wollen. „Ich werde am Samstag gegen Köln spielen“, sagt Alexis, „was danach ist, kann ich noch nicht sagen.“ Trainer Dettmann berichtet von „ein paar Spielern“, die noch unentschieden sind.

Für den Mitteldeutschen BC ist diese Entscheidung enorm wichtig. Sollte eines der sieben verbleibenden Bundesligaspiele ausfallen, verliert der Klub seine Lizenz. Bislang gibt es Pläne, dass der auf Rang zwölf abgerutschte Verein in der kommenden Saison in Leipzig als Neugründung weitermachen könnte. Alexis bezweifelt das. „Ich vertraue niemandem mehr in diesem Klub – vom Geschäftsführer Hund ganz zu schweigen.“

So kommt es, dass die wohl letzte Saison von Wendell Alexis mit einer Enttäuschung endet. „Das ist alles sehr traurig“, sagt Alexis. Deutschland wolle er trotzdem in guter Erinnerung behalten. „Aber nur abseits des Basketballfeldes.“

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