Sport : Sie haben verstanden

Dortmund überrennt Bremen und findet zu sich

Felix Meininghaus[Dortm]

Im Grunde genommen hätte Thomas Doll am Freitagabend den Presseraum des Dortmunder Stadions locker und gelöst betreten müssen, schließlich war die Begegnung zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen für ihn persönlich, aber auch für den von ihm betreuten BVB nahezu triumphal verlaufen. Zum ersten Mal in seiner Trainerkarriere hatte der ehemalige Nationalspieler beim 3:0 (3:0) gegen Werder Bremen seinen Kollegen Thomas Schaaf geschlagen, zudem – und das wog an diesem Abend wesentlich schwerer – stand Doll mit der von ihm betreuten Borussia nach dem völlig missratenem Saisonstart urplötzlich auf Platz zwei der Tabelle.

Doch anstatt sich seines Daseins zu erfreuen und den Moment zu genießen, wirkte Doll merkwürdig gestresst. Offensichtlich haben die Tage, in denen sein runderneuertes Team nach den dramatischen Niederlagen gegen Duisburg und auf Schalke vehement infrage gestellt worden waren, am 41-Jährigen genagt. Und weil er diese Reaktionen gespeichert hat, hatte sich Doll dagegen entschieden, Genugtuung zu empfinden und den Moment zu genießen: „Vor ein paar Wochen“, sagte Doll, „haben wir noch auf Platz 18 gestanden, und alles wurde schlecht geredet.“

Nach drei Siegen in Folge dürfen die Dortmunder zumindest für einen Augenblick durchatmen, weil sie das erlebten, was Doll hernach als „sensationelle zehn Minuten“ bezeichnete. In denen erzielte der BVB um die 30. Spielminute herum nicht nur die drei schön herausgespielten Treffer durch zweimal Mladen Petric und Diego Klimowicz, sondern erstmals wurde auch deutlich, wie sich Doll das Auftreten seiner Mannschaft vorstellt: Schnell, athletisch und entschlossen. „Da ist der Funke übergesprungen“, sagte Doll, „auf einmal waren Leidenschaft und Selbstvertrauen da.“

Es scheint, als seien die Dortmunder nach ihrem Fehlstart in der Saison 2007/2008 angekommen. „Wir sind dabei, uns zu finden“, sagte Doll, „am Anfang sind wir aufgetreten, als hätten wir noch Vorbereitungsspiele.“ Inzwischen, so scheint es, haben seine Spieler begriffen, dass mit Beginn der Punkterunde die Phase der lockeren Spaßkicks mit vielen Toren gegen schwächere Mannschaften beendet ist.

Dagegen befinden sich die Bremer in einer durchaus problematischen Situation. Nur fünf Tore haben die Offensivkünstler der letzten Saison in fünf Spielen erzielen können, mit sieben Punkten und einem negativen Torverhältnis hinkt Werder hinter. Zudem ist das Ende der eklatanten Verletzungsmisere nicht absehbar. Allerdings lässt sich einer in schwierigen Zeiten nicht aus der Ruhe bringen: Thomas Schaaf. Als Bremens Trainer am Ende des Abends gefragt wurde, welche Gedanken ihn angesichts des Champions-League-Auftritts am Dienstag bei Real Madrid beschleichen, hat er mit stoischer Ruhe geantwortet: „Ich denke, dass wir besser werden müssen.“

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