Sport : „Sie ist extrem kritisch“

Fünfkampf-Bundestrainerin Kim Raisner über Lena Schöneborns EM-Titel – und ihre Selbstzweifel

Belastetes Verhältnis. Lena Schöneborn patzte bei der Europameisterschaft erneut beim Reiten. Foto: dpa
Belastetes Verhältnis. Lena Schöneborn patzte bei der Europameisterschaft erneut beim Reiten. Foto: dpaFoto: dpa

Kim Raisner, Ihre beste Fünfkämpferin Lena Schöneborn hat nach ihrem Sieg beim Weltcup-Finale in London schon wieder in England gewonnen: diesmal zum ersten Mal den Europameister-Titel. Mit der Staffel holte sie zudem Silber. Das ist doch ein gutes Omen für die Olympischen Spiele 2012 in London?

Das stimmt. Lena Schöneborn weiß jetzt jedenfalls, dass sie in England gewinnen kann.

Wie bewerten Sie als Bundestrainerin den EM-Titel vom Wochenende?

Eigentlich hat sie alles gut gemacht, das Fechten, das Schwimmen, sie ist auch am Schluss super gelaufen. Nur das Reiten, das war doch mit einigen Unsicherheiten verbunden.

Sie hatte insgesamt vier Abwürfe, was ist beim Reiten schiefgelaufen?

Sie war schon vorher sehr unsicher, weil sie im Weltcup-Finale auch nicht gut geritten war. Dann hat sie vor ihr die Engländerin reiten gesehen, die eigentlich eine gute Reiterin ist, die aber große Schwierigkeiten mit ihrem Pferd hatte. Es war dasselbe Pferd, das auch Lena Schöneborn zugelost worden ist. Dadurch ist sie noch unsicherer geworden. Dabei ist sie eigentlich keine schlechte Reiterin.

Beim abschließenden Laufen und Schießen konnte Lena Schöneborn die 26 Sekunden Rückstand auf die Führende Adrienn Toth aufholen.

Sie ist extrem stark gelaufen. Sie hat eine gute Grundschnelligkeit und kann sich beim Schießen sehr gut konzentrieren. Dabei war sie sich im Training gar nicht so sicher. Gefühl und Rhythmus waren nicht so da, aber sie ist auch eine extrem selbstkritische Person.

Hilft ihr dieser Perfektionismus auch?

Sie will immer besser werden. Sie arbeitet immer an sich, auch wenn ein Wettkampf gut war. Aber das passiert im Modernen Fünfkampf ohnehin nicht oft, dass alles klappt. Irgendetwas läuft in den Wettbewerben immer nicht so rund.

In diesem Jahr wird erstmals statt mit einer Patrone mit einem Laserstrahl geschossen. Wie kommt Lena Schöneborn mit dieser Umstellung zurecht?

Jetzt fällt das Laden der Pistole weg und die Geschwindigkeit des Schießens hat sich erhöht. Lena tut sich ja generell schwer mit Änderungen, es dauert immer etwas länger, bis wir das drin haben. So war es auch, als 2009 der Combined eingeführt worden ist ...

... eine Art Biathlon, bei dem das Laufen und das Schießen zu einem Wettbewerb verbunden ist ...

... das war ein richtig großer Schritt, der unsere Sportart verändert hat. Da musste sich Lena Schöneborn auch länger umstellen, das hat Zeit gebraucht.

Doch jetzt ist sie die beste Fünfkämpferin Europas. Was bedeutet das für die Olympischen Spiele?

Den Druck, Favoritin zu sein, wird sie in London 2012 sowieso haben. Sie ist ja auch die Titelverteidigerin. Dabei kann man diese Wettkämpfe nach der Einführung des Combined gar nicht mehr vergleichen. Aber dass sie das Zeug zur Titelverteidigung hat, das hat man ja nun gesehen.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt

Kim Raisner, 38, ist Physiotherapeutin und Bundestrainerin im Modernen Fünfkampf. In Berlin trainiert sie am Olympiastützpunkt die Olympiasiegerin von 2008, Lena Schöneborn.

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