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Basketball, Fechten, Tennis – in Athen feiern die Chinesen ihre Erfolge auch in Sportarten, die andere Nationen jahrelang dominiert haben

Benedikt Voigt[Athen]

Der Anblick fünf bärtiger Chinesen auf einem Basketballfeld wird der Welt erspart bleiben. Es hat aber nicht viel gefehlt, und die chinesische Nationalmannschaft hätte sich ein halbes Jahr lang nicht mehr rasieren dürfen. Dieses hatte Centerspieler Yao Ming für den Fall angekündigt, dass sein Team bei den Olympischen Spielen in Athen nicht das Viertelfinale erreichen würde. Im entscheidenden Gruppenspiel, in dem es für die Chinesen um Rasur oder Nichtrasur ging, mussten sie die Basketballnation Serbien-Montenegro aus dem Turnier werfen. Am Ende jubelten die Chinesen, 67:66 hatten sie gewonnen und die amtierenden Weltmeister um ihren Starspieler Dejan Bodiroga in eine tiefe Depression gestürzt. Die Chinesen spielen also weiter in Athen – glatt rasiert.

Inzwischen jubeln die Chinesen in Sportarten, die andere Nationen jahrelang dominiert haben. Es ist der Erfolg einer nationalen Anstrengung für die Olympischen Spiele 2008 in Peking, sich auch in den technischen Disziplinen zu verbessern. „Wir haben nach den Olympischen Spielen in Sydney gesagt, dass China immer noch keine Sportmacht ist, wenn wir nicht den Durchbruch in den olympischen Kernsportarten schaffen“, sagte die Vizepräsidentin des Nationalen Olympischen Komitees Xe Hoixian. Die Regierung gab das Projekt 119 in Auftrag, das benannt ist nach den 119 Medaillen, die es bei den Spielen in Leichtathletik, Schwimmen und Wassersport zu gewinnen gibt. Auch verpflichtete sie ausländische Trainer, um in den Mannschaftssportarten aufzuholen.

So kommt es, dass in Athen das mit 1,29 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Land der Erde seine Erfolge nicht mehr nur in seinen traditionellen Sportarten wie Tischtennis oder Badminton feiert. Sondern auch in klassischen Olympiasportarten wie im Schwimmen über 100 Meter Brust durch Luo Xuejuan. „Auf diese Goldmedaille sind wir besonders stolz“, sagt Xe Hioxian.

China liegt im Medaillenspiegel mit 23 Goldmedaillen auf Platz zwei. Nur die USA übertreffen die neue Sportmacht. Der Leistungssportchef im Deutschen Sportbund, Ulrich Feldhoff, hatte vor den Spielen geglaubt, dass seine Olympiamannschaft mit China um Platz drei kämpfen würde. Doch inzwischen ist klar, dass das deutsche Team den Anschluss an Pekings olympische Sportbotschafter verpasst hat. Der deutsche NOK-Chef Klaus Steinbach sagt: „Ich erwarte China im Jahr 2008 auf Platz eins im Medaillenspiegel.“ Die Chinesen haben nun auch in den technischen Disziplinen die Weltspitze erreicht haben. Im Tennis, das bisher von US-Amerikanern und Europäern dominiert wurde, gewann das unbekannte chinesische Frauendoppel Sun Tian Tian und Li Ting die Goldmedaille. Es schockte in der ersten Runde die Amerikanerinnen Chanda Rubin und Venus Williams und besiegte im Finale das spanische Doppel Conchita Martinez und Virginia Ruano Pascual. Im Fechten holten die Chinesen dreimal Silber, und im Hockey stand Chinas Frauenteam im Halbfinale gegen Deutschland. „Wir haben Fortschritte gemacht, um den körperlichen Unterschied zwischen westlichen und asiatischen Menschen auszugleichen“, sagt Xu Hoixian. Im Baseball und Dressurreiten haben die Chinesen noch keine Medaille gewonnen, und die Aussichten darauf stehen auch nicht gut. In diesen Sportarten treten sie überhaupt nicht an. Noch nicht.

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