Sport : Sie können nur ernst

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Dem Publikum in Dortmund wird nicht nur eine besonders intensive Leidenschaft für den Fußball nachgesagt; es besitzt offenbar auch einen hohen Sachverstand. Beim Länderspiel gegen Italien blieben fast 4000 Karten unverkauft, obwohl es sich doch um ein Duell von hohem Prestige handelte und gerade Dortmund gegen die Italiener noch etwas zu korrigieren hatte. Aber es war eben nur ein Freundschaftsspiel.

Seit der WM im vorigen Sommer hat es die Nationalmannschaft auf eine bemerkenswerte Bilanz gebracht. In der EM-Qualifikation hat sie alle vier Spiele gewonnen und dabei 13:1 Tore geschossen; von den drei Freundschaftsspielen (2:2 in Dänemark, 0:0 in Schweden, 1:1 gegen Italien) hingegen hat sie kein einziges für sich entschieden. Offensichtlich beherrschen die Deutschen nur den Ernstfall: Sie können ganz oder gar nicht.

Der deutsche Fußball verfügt inzwischen wieder über einige individuelle Begabungen; die Stärke der Nationalmannschaft aber liegt immer noch im System begründet. Ihr Spiel lebt von hoher Fitness, von hoher Intensität und höchster Konzentration, und wenn die Nationalspieler sich auch nur ein wenig zurücknehmen, sieht es so aus wie in der zweiten Halbzeit gegen Italien, als die Deutschen zeitweise eine Art Käfigfußball spielten: Ball stoppen, drauftreten, gucken, passen – und stehen bleiben.

Dass der Mannschaft Plan B fehlt, hat sich nicht nur in den beiden K.o.-Spielen gegen die überlegenen Spanier gezeigt. Es war auch der Grund für die überraschenden Niederlagen gegen Kroatien (EM 2008) und Serbien (WM 2010), als die Deutschen erfolgreich daran gehindert wurden, in ihr System zu finden. Für solche Situationen die passende Antwort zu finden, wird der nächste Entwicklungsschritt sein. Es ist der letzte. Er macht den Unterschied aus zwischen einer guten und einer großen Mannschaft.

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