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Deutschlands Tischtennisspieler verlieren im Finale der Mannschafts-WM 1:3 gegen China

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Berlin - Und wie groß war der Rückstand diesmal? Das ist die Frage, wenn Deutschland ein Tischtennisfinale gegen China bestritten hat. Er war am Sonntag bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft in Moskau viel kleiner als beim letzten Mal. „Wir waren so nah dran am Gold wie noch nie“, sagte Christian Süß sogar. Aber gereicht hat es nur zu einem 1:3, wenn auch zu einem 1:3, dessen angenehme Wirkung erst noch einsetzt, wie Timo Boll glaubt: „In zwei Tagen nehmen wir Glückwünsche gerne entgegen. Dann werden wir realisiert haben, was für eine großartige Leistung wir heute geboten haben.“

Es wäre eine Sensation gewesen, wenn die deutschen Tischtennisspieler aus ihrer kleinen Chance einen Sieg gemacht hätten. Eine Sensation war zuvor auch tatsächlich passiert in Moskau. Das Frauenteam aus Singapur hatte ganz überraschend den Weltmeistertitel gewonnen, obwohl Chinas Dominanz im Frauentischtennis noch ist größer als die bei den Männern. Eine Mannschaft aus einem Land, das es gar nicht gibt, hatte Chinas Frauen zuletzt besiegt, ein gesamtkoreanisches Team im Finale der WM 1991. Und jetzt bezwang Singapur China 3:1. Singapur hatte im Halbfinale auch das deutsche Team besiegt, 3:0, Platz drei war jedoch das beste Abschneiden der deutschen Spielerinnen bei einer WM seit 13 Jahren.

Die deutschen Männer wollten es Singapurs Frauen nachmachen. Timo Boll gewann auch gleich sein erstes Einzel gegen den Weltranglistenersten Ma Long. 0:2 hatte er zurückgelegen, dann bog er das Spiel noch um und brachte seine Mannschaft in Führung.Dimitrij Owtscharow profitierte davon allerdings nicht, denn sein Gegner Ma Lin zeigte sich völlig unbeeindruckt vom Rückstand der Chinesen. Owtscharow blieb beim 0:3 ohne Chance. „Er killt meine Aufschläge und schlägt selbst super auf“, sagte Owtscharow.

Christian Süß sollte die Deutschen nun wieder nach vorne bringen und erwischte einen guten Start. Mit 1:0-Sätzen und 9:6-Punkten lag er vorne, sein Gegner Zhang Jike wankte. Doch dann riss etwas im Spiel von Süß, die Konzentration oder der Glaube daran, dieses Spiel gewinnen zu können. Und ohne Mut kein Sieg gegen China. Zhang Jike nutzte diese Schwäche aus und gewann erst diesen zweiten Satz 11:9 und dann auch die beiden folgenden. „Am Ende fehlte wohl das letzte Quäntchen Abgezocktheit“, sagte Süß.

Auch Boll schien nicht mehr vom Glauben an den Sieg erfüllt, als er im zweiten Einzel Ma Lin gegenüberstand. Nach gewonnenem ersten Satz, ließ er sich von Ma Lin die Kontrolle über das Spiel abnehmen. „Wenn sich beim nächsten Mal wieder so eine kleine Chance bietet wie heute, müssen wir einfach zuschnappen“, sagte Boll, und Bundestrainer Richard Prause, der nach dieser WM nach Österreich wechselt, sagte: „China war am Ende vielleicht zehn Prozent besser.“.

Der Spielverlauf erinnerte an das Halbfinale der WM 2006 in Bremen. Auch da hatte Boll die Führung erspielt, 0:2 lag er gegen Ma Lin hinten und gewann noch 3:2. Anschließend glückte den Deutschen aber kein Sieg mehr, 1:3 stand es am Ende. Bei den Olympischen Spielen zwei Jahre später in Peking fiel die Niederlage deutlicher aus – 0:3. Jetzt haben sie den Rückstand wieder überschaubar gemacht.

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