Sport : Sie kommen nie mehr wieder

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Es ist alles erlaubt. Man darf so Fußball spielen. Es verstößt gegen kein Gesetz, Franzosen mit Vorstopper und Manndecker aus dem Turnier zu ekeln. Ob es schön ist, was die Griechen spielen? Zum Fußball gehört auch der Sieg des Willens, der Triumph von Außenseitern, damit erübrigt sich die Frage. Es ist, als lege uns jemand mit dieser EM ein Puzzle, in dem alle Teile des Fußballs vorkommen, die biederen wie die brillanten.

Einst gehörten die Franzosen zu den brillanten Teilen. Das ist vorbei und wird mit diesen Spielern auch nie mehr wiederkehren. Vielleicht geht das nicht, dass man die Welt beglückt, dass man alles gewinnt, was es zu gewinnen gibt, Titel, Herzen – und immer so weitermacht. Vielleicht wird man dann arrogant und kann sich nur noch aufraffen gegen berühmte Engländer. Aber schon Kroaten? Non. Griechen? Mon dieu, wir sind die Grande Nation, mit Parvenüs zu spielen ist unsereins nicht würdig. So traten sie auf und merkten nicht, dass ihre Arroganz keine Berechtigung mehr hat. Sie waren einmal in anderen Sphären, dort haben sie sich verlaufen, und einen Weg zurück gibt es nicht mehr.

Es war ein trauriges Ende. Nicht einmal ein Abgang wurde uns geboten. Es war nach Schlusspfiff, als ginge diese Generation wunderbarer Fußballer einfach weg. Schmucklos, gestenlos, freudlos. Erhabenheit, wie sie David Beckham vorführte nach verschossenem Elfmeter? Nichts davon. Tragik? Dazu hätten sie sich stemmen müssen gegen das Schicksal aus Griechenland. Stemmen? Diese Fußballer haben nie stemmen müssen, sie haben gespielt. Nun ist das Spiel aus. Was bleibt, ist nur die Erinnerung.

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