Sport : Sie lebt! Die Mannschaft lebt!

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Michael Rosentritt sieht einen erfolgreichen Angriff der HerthaSpieler

Eine schöne Meldung: Die Fußballprofis von Hertha BSC spendieren ihren Fans die Reise zu Auswärtsspielen samt Eintrittskarten. Keine Angst, nicht aus Steuergeldern, sondern aus der eigenen Tasche. Das ist eine – zugegeben – hübsche Sache. Die Hübschheit liegt erst einmal in der Einmaligkeit der Aktion. Und je länger man über sie nachdenkt, desto besser wird sie.

Wieder einmal ist Dieter Hoeneß, der am Donnerstagabend dem Plan der Mannschaft zustimmte, ungewollt zum Motor einer glücklichen Wendung geworden. Schließlich war er es, der nach einer katastrophalen Hinrunde, die Hertha als Vorletzter abgeschlossen hat, finanzielle Opfer vom kickenden Personal forderte. Der Manager hatte den Spielern vorgeschlagen, 25 Prozent ihrer Grundgehälter einzufrieren und nur dann auszuzahlen, wenn der Abstieg abgewendet worden ist. Hoeneß selbst wollte auch ein Zeichen setzen und setzte ebenfalls 25 Prozent seines Gehalts aufs Spiel. Nun kam alles ganz anders.

Bei den Spielern stieß die Idee mit dem Gehaltsverzicht auf wenig Gegenliebe. Seit der Kirch-Krise muss auch Hertha sparen. Schon lange gibt es kein Geld mehr für bloße Anwesenheit. Die Spieler bekamen stark leistungsbezogene Verträge. Mit ihrer Unterschrift trugen die Profis den Zwängen des Vereins Rechnung. Viel Geld ist ihnen flöten gegangen bei nur zwei Siegen in der Hinrunde. Hoeneß rühmte sich für diese „intelligent“ gestalteten Verträge: Nur wer viele Spiele gewinnt, verdient viel Geld. Ans Grundgehalt aber lässt sich niemand gerne gehen. Zudem hätte davon bestenfalls nur die Vereinskasse profitiert, nicht aber die eigentlich Leidtragenden des Rumpelfußballs: die Fans.

Wenn es an den Besitzstand geht, werden selbst Fußballprofis einfallsreich. Vielleicht hatten sie auch einfach einen flotten Einflüsterer. Egal. Die Alternativlösung der Mannschaft besitzt Charme, denn sie nützt den Fans. In diesem Fall haben die Spieler eine gedankliche Beweglichkeit bewiesen, die ihnen auf dem Fußballplatz abhanden gekommen schien. Der Vorschlag war so gut, dass Hoeneß ihn nicht ablehnen konnte, wenn er sich bei der Fangemeinde nicht völlig unbeliebt machen wollte.

Die Spieler von Hertha BSC haben mit ihrem 300 000 Euro schweren Projekt ein Zeichen gesetzt. Dieter Hoeneß hat sich diesem Zeichen nicht verweigert. Verdient haben es die Fans – bei der nächsten Auswärtsfahrt haben sie bestimmt doppelt so viel Spaß.

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