Sport : Sie nannten ihn Chalkidis

Wetzlar überrascht die Füchse-Handballer mit einem 32:31-Erfolg

Christian Hönicke

Berlin - Der Handball ist auf dem Weg der Professionalisierung schon weit vorangekommen. Dass aber noch immer einige Schritte fehlen, ließ sich am Sonntagabend in der Max-Schmeling-Halle an den Ausmaßen von Georgios Chalkidis erkennen. Der Grieche in Diensten der HSG Wetzlar war im Bundesligaspiel bei den Füchsen Berlin als Vertreter einer aussterbenden Spezies im Profisport allein das Eintrittsgeld wert. Mit pechschwarzem Vollbart und seinem stattlichen Hüftring, der selbst von dem wallenden XXL-T-Shirt nur unzureichend kaschiert wurde, erinnerte Chalkidis eher an den frühen Bud Spencer als an einen Kreisläufer. Auch in seiner Spielweise beschränkte sich der Prototyp des Thekenhandballers auf rustikale Einlagen, sammelte Fouls und Strafen und provozierte sich in die Herzen der Gegenspieler und Zuschauer. Trotz oder vielleicht gerade wegen Chalkidis ließen sich die Gäste aus dem Tabellenhochparterre nicht niederringen und schlugen die favorisierten Berliner wie in der vergangenen Saison völlig überraschend 32:31 (15:17). Für die Füchse war es ein harter Rückschlag im Kampf um einen Europacup-Platz. „So ein Ding darf man sich nicht leisten“, brummte Manager Bob Hanning enttäuscht. „Die Punkte müssen wir uns jetzt in einem großen Spiel zurückholen.“

Es war eines dieser Spiele, bei denen man sich am Ende fragt, wieso eigentlich nicht das andere Team gewonnen hat. „In der ersten Halbzeit waren wir relativ souverän“, sagte Trainer Jörn-Uwe Lommel. „Da hätten wir eigentlich noch weiter davon ziehen müssen.“ Doch in einer konfusen Begegnung mit 19 Strafzeiten schafften es die Füchse gleich mehrmals, einen Vier-Tore-Vorsprung zu verspielen. „Schon in dieser Phase waren die Fehler in der Defensive zu erkennen, die wir da noch durch unsere gute Chancenverwertung kompensiert haben“, sagte Lommel. „Ich habe die Fehler in der Halbzeit angesprochen, aber es ist nicht besser geworden.“ Vor allem die träge Abwehrarbeit und die zehn Tore des deutschen Nationalspielers Sven-Sören Christophersen hielten Wetzlar im Spiel. Und natürlich Georgios Chalkidis. Mit dem Halbzeitpfiff bot er sein ganzes Können auf und verhinderte eine höhere Führung der Füchse. In die erfolgreiche Ausführung eines von ihm verursachten Siebenmeters durch Konrad Wilczynski meckerte er so gekonnt hinein, dass es eine Wiederholung gab. Diesmal vergab der Berliner, und Chalkidis erhielt Buhrufe als Belohnung.

In der zweiten Hälfte zogen die Füchse doch noch einmal auf vier Tore davon, verpassten aber wieder den Knockout. „Wenn völlig freie Würfe und Siebenmeter nicht reingehen, verliert man halt gegen Wetzlar“, sagte Lommel sarkastisch. Auch Michal Bruna konnte das nicht verhindern. Der tschechische Neuzugang wechselte sich mit Kjetil Strand als Vertreter des verletzten Spielmachers Bartlomiej Jaszka ab, blieb aber unauffällig und ohne Tor. Obwohl dafür Michal Kubisztal insgesamt zwölf Treffer erzielte, glich Wetzlar zwölf Minuten vor Schluss aus und ging kurz darauf in Führung. Nun wechselten die Füchse vom Status Nachlässig in Nervös. „Da hat sich dann die Angst eingeschlichen“, gab Lommel zu. Eine Reihe vergebener Würfe und zu einfach kassierter Gegentore später rieben sich die meisten der 6541 Zuschauer beim Blick auf die Anzeigetafel die Augen, während die Wetzlarer auf dem Parkett tanzten. Unter Georgios Chalkidis bebte es besonders stark, aber immerhin hatte er dem Boden zuvor eine Verschnaufpause gewährt. Er hatte sich zehn Minuten vor Schluss mit einer Roten Karte einen würdigen und gestenreichen Abgang verschafft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar