Sport : Sie sind so frei

Dirk Nowitzkis Mavericks treffen 49 Freiwürfe in Folge und gewinnen das erste NBA-Halbfinale gegen San Antonio

Benedikt Voigt

Berlin. Eigentlich muss sich Eduardo Najera schämen. Zwei Minuten und 25 Sekunden vor dem Ende des ersten Viertels durfte der mexikanische Basketballprofi der Dallas Mavericks als erster Spieler seines Teams an die Freiwurflinie treten – und warf daneben. Damit verhinderte Najera eine perfekte Freiwurfquote seines Teams. Denn seine Mitspieler trafen in den verbleibenden Spielminuten alle weiteren Freiwürfe. Alle 49.

„Danke lieber Gott für die Freiwürfe“, sagte Don Nelson. Der Trainer der Dallas Mavericks wusste, bei wem er sich nach dem 113:110 bei den San Antonio Spurs zu bedanken hatte. Die unglaublich gute Freiwurfquote der Dallas Mavericks war verantwortlich dafür, dass die Mannschaft von Dirk Nowitzki nach dem ersten Finalspiel der Western Conference gegen die favorisierten San Antonio Spurs mit 1:0 in Führung liegt. „Es war Wahnsinn, überhaupt so viele Freiwürfe zu bekommen“, sagte der deutsche Nationalspieler, „dass dann auch fast alle reingingen, ist kaum zu glauben.“

Erstaunlich war auch, was Nowitzki wieder einmal leistete. Mit 38 Punkten, 17 Rebounds war er bester Spieler seiner Mannschaft. Er traf auch noch alle 17 Freiwürfe, die er zugesprochen bekommen hatte. Das war auch der Unterschied zu Tim Duncan, San Antonios bestem Werfer. Der Power Forward, der zum besten Spieler der Hauptrunde gewählt worden war, erzielte gegen Dallas zwar 40 Punkte. Doch Duncan warf auch sieben Freiwürfe daneben. Darunter zwei Stück drei Sekunden vor dem Ende, womit er San Antonios letzte Hoffnung auf einen Sieg begrub. Die Spurs trafen bei 48 Versuchen von der Freiwurflinie lediglich 31. „Es gab in der zweiten Hälfte viele Foulpfiffe“, sagte Tim Duncan, „sie haben ihre getroffen, und wir haben mehr daneben geworfen.“ So kurz lässt sich das erste Finale des Westens zusammenfassen.

Dass es kein schönes Spiel war, lag auch an Schiedsrichter Bennett Salvatore. Seine Pfiffe unterbrachen jeden Spielfluss. Seit der zweiten Play-off-Runde leitet Salvatore die Spiele mit den meisten Foulpfiffen. Der Zeitschrift „Sports Illustrated“ reicht es bereits. Sie bittet auf ihrer Internetseite den NBA-Commissioner einzugreifen: „Bitte, David Stern, stoppen Sie den Wahnsinn.“

Doch den Spielern aus Dallas konnte die Foul-Orgie (72) nur recht sein. Jetzt gehen sie am Mittwoch mit einer Führung ins zweite Spiel in San Antonio (3.30 Uhr nachts, live auf Premiere). Vier Spiele muss Dallas gegen San Antonio gewinnen, um das NBA-Finale zu erreichen. Im zweiten Halbfinale führen die New Jersey Nets gegen die Detroit Pistons 1:0. Allerdings gilt die Serie zwischen San Antonio und Dallas als das vorweggenommene Finale. Die beiden Teams aus Texas waren die besten Mannschaften der Hauptrunde, sie gewannen die meisten Spiele: San Antonio 61, Dallas 60. Der Mannschaft von Tim Duncan gelang in der zweiten Play-off-Runde auch das Kunststück, den dreimaligen Meister Los Angeles Lakers rauszuwerfen (4:2). Und die Mavericks beendete Sacramentos Saison (4:3).

Vor dem entscheidenden Spiel gegen Sacramento am vergangenen Samstag hatte Dirk Nowitzki seinen Mentor und Manager Holger Geschwindner nach Dallas einfliegen lassen. „Aus mentalen Gründen“, sagte der 24-Jährige. Immer wenn die beiden das Werfen trainieren, trifft Nowitzki besonders gut. Auch im ersten Halbfinale am Montag hatte Geschwindners Feinjustierung noch Bestand. Erstaunlich ist, welch’ großen Einfluss der ehemalige deutsche Nationalspieler immer noch auf seinen basketballerischen Zögling besitzt. „Dirks Shooting-Doctor“ nennt man ihn seit Nowitzkis erster Saison in Dallas, weil Geschwindner Nowitzki heilen kann, wenn er schlecht trifft.

Doch Dirk Nowitzki verblüfft die Basketballfans in den USA nicht nur mit offensiven Qualitäten. Er verbessert sich auch bei den Rebounds und in der Verteidigung. Gegen San Antonio machte er beim Stand von 111:110 eine entscheidende Verteidigungsaktion. Duncans Wurf konnte er so aus der Bahn lenken, dass der Ball nicht in den Korb fiel.

Weil Dallas nun San Antonios Schwäche an der Freiwurflinie erkannt hat, könnten die nächsten Spiele nicht besonders schön werden. Dallas könnte absichtlich foulen, um zu hoffen, dass San Antonios Spieler an der Freiwurflinie daneben werfen. Umgekehrt funktioniert das nicht. „Wir haben die Freiwürfe schon das ganze Jahr gut getroffen“, sagte Nowitzki, „das ist das Entscheidende.“

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