Sport : Sie wissen, was sie tun

Armin Lehmann

erklärt, warum Profisportler immer zuerst die Angst besiegen In Frankreich rasen sie jetzt die Berge hinunter, knallen auf Asphalt, ziehen sich Rippenbrüche zu, Wirbelschäden, Prellungen, fallen vom Rad und fahren weiter, wenigstens die eine Etappe. In der Formel 1 heizen sie mit Tempo 300 in Betonwände, wie kürzlich Ralf Schumacher, und denken nicht ans Aufhören. Diese Sportler gehen an ihre Grenzen – immer, denn sie sind Profis. An die Grenzen gehen, dorthin, wo es lebensgefährlich wird, gehört zu ihrem Beruf.

Man vergisst schnell, dass heutzutage kein Spitzensport mehr ohne ein lebensbedrohendes Risiko möglich ist. Der tragische Unfall des Turners Ronny Ziesmer hat das auf brutale Weise deutlich gemacht. Turnen? Ja, auch Turnen ist lebensgefährlich. Ziesmer ist wie viele andere Sportler fern der großen öffentlichen Wahrnehmung täglich im Training ein Risiko eingegangen. Ein winziger Fehler hat nun dazu geführt, dass er von unterhalb des Kopfes abwärts gelähmt ist.

Das Entsetzen über diese Tragik, über das Ungerechte im Leben wird die aktiven Sportler nicht davon abbringen, ihr Leben zu riskieren. Uns Zuschauer mag das immer wieder aufs Neue verblüffen, Leistungssportler sehen das anders. Sie leben mit der Gefahr. Die Turnerkollegen von Ronny Ziesmer trainieren weiter, Ralf Schumacher wird wieder in ein Formel-1-Wagen steigen. Zum Leistungssport gehört das Überwinden der Angst.

Der Skifahrer Hermann Maier stürzte sich nach seinem schweren Unfall genauso todesmutig die Piste hinab wie zuvor. Der Kunstspringer Andreas Wels fiel so unglücklich auf das Drei-Meter-Brett, dass er sich fast das Genick brach und noch in der Schwimmhalle operiert werden musste. Ein Jahr später gewann er in derselben Halle Silber bei einer EM. Alle diese Sportler wissen, was sie tun.

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