Sport : Sie wollen auftauchen

Warum die Wasserballer von Spandau 04 in der Champions League zwei Aufgaben zu erfüllen haben

Hartmut Moheit

Berlin. Es ist Zufall, dass an diesem Wochenende die Moby Dicks wieder einmal auf die Happy Hippos treffen. „Wie in alten Zeiten werden wir Wasserball zelebrieren“, sagt Hagen Stamm zum Spiel der Traditionsteams aus Berlin und Budapest. Normalerweise hätte Stamm nach Belgrad gehört, wo die Wasserfreunde Spandau 04 am Sonntagabend gegen Partizan Belgrad den ersten Auftritt in diesem Jahr in der Champions League haben werden. Aber dieses Spiel lässt sich der Spandauer Vereinspräsident entgehen. Es gibt noch Wichtigeres. Die Spandauer wollen zurück an die Weltspitze.

Deshalb ist das Treffen der alten Kontrahenten aus den 80er-Jahren durchaus ein Symbol. Denn damals waren die Spieler der beiden Teams die Stars, in der vor allem die Berliner Wasserballer das Niveau in Europa bestimmten. Damals war der Unterschied zwischen Profis und Halbprofis, zu denen sich die Spandauer heute zählen, nicht ausgeprägt. Da konnten die Deutschen mit ihrer Trainingsmethodik und ihrem Kampfgeist gegen jeden Gegner bestehen. Ihre Nachfolger heute kennen diese Geschichten, die immer wieder dann erzählt werden, wenn es Enttäuschungen zu verarbeiten gilt. Und die Wasserballer waren in den zurückliegenden Jahren oft abgetaucht, auch an Selbstmitleid gescheitert . „Jetzt haben wir die Chance, das zu ändern. So groß war sie lange nicht mehr“, sagt Peter Röhle. Er selbst galt zu den großen Zeiten des deutschen Wasserballs als weltbester Torhüter. Mit der Konzentration der Kräfte in Berlin soll die angestrebte Rückkehr zu alten Erfolgen gelingen.

Dabei ist es für Röhle überhaupt kein Maßstab, was in der Bundesliga passiert: „Es bringt nichts, sich daran hochzuziehen, dass wir nach neun Spielen noch keinen Minuspunkt haben und ein Torverhältnis von 156:56. Allein die Champions League ist entscheidend.“ Und fügt hinzu: „Erst wenn wir international etwas erreicht haben, dann schauen wir auch wieder in Richtung Meisterschaft.“ Schon zum fünften Mal nehmen die Wasserfreunde an der zum siebenten Mal ausgetragenen Champions League teil. Ziel ist es, endlich das Final Four zu erreichen, in dem dann die vier besten Teams aus Europa den Cupsieger ermitteln werden.

Neu bei den Spandauern ist, dass es die Spieler selbst sind, die den höheren Anspruch formulieren. Europacup und Nationalmannschaft, das trennen sie nicht mehr. Dafür hat nicht nur ein Marco Savic gesorgt, der nunmehr in die jugoslawische Nationalmannschaft berufen wurde. Auch mit Mark Politze und Sören Mackeben, den ehemaligen Hannoveranern, ist das Anspruchsdenken ein anderes geworden. „Ich will einfach mal eine WM spielen, ich will auch Olympia erleben, dafür gebe ich alles“, sagt Mackeben, dem es egal ist, ob es in anderen Ländern viel mehr Geld für Wasserballer gibt.

Nationaltrainer Hagen Stamm, der fünf von sieben Spandauer Spielern in der deutschen Auswahl zum ersten Aufgebot zählt, will aus Spandau 04 und der Nationalmannschaft eine Einheit machen. Im Trainingslager der Nationalmannschaft in Australien ließ er deshalb meist die Spandauer miteinander spielen. „Sind sie in der Champions League erfolgreich, dann gehen sie auch mit Zuversicht in die EM-Qualifikation im April in Kiew“, sagt Stamm. „Selbstbewusstsein, das hatten wir eben früher – mit jedem Sieg mehr.“

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