Sport : Sieg an der Freiwurflinie

Alba profitiert von Terry Blacks seltsamer Schwäche

Benedikt Voigt

Berlin - Als die Schlusssirene in der Max-Schmeling-Halle ertönte, war das Spiel der Basketball-Bundesliga noch nicht vorbei. Die Partie Alba Berlin gegen Telekom Baskets Bonn setzte sich hinter dem Kampfrichtertisch fort, wo sich die Bonner Verantwortlichen beim Technischen Kommissar beschwerten, weil Bonn 2,2 Sekunden vor dem Ende keine weitere Auszeit mehr bekommen hatte. Sie waren der Meinung, dass eine ihrer vorhergehenden Auszeiten eigentlich den Berlinern hätte zugerechnet werden müssen. Sogar einen offiziellen Protest versuchten sie einzulegen, „doch das kam zu spät“, berichtet Albas Teammanager Henning Harnisch.

So hatte es noch ein wenig gedauert, ehe Albas glücklicher Erfolg (85:83) über den Tabellenachten amtlich war. Die 8861 Zuschauer in der erstmals in dieser Saison ausverkauften Max-Schmeling-Halle hatten ein hochdramatisches und temporeiches Spiel gesehen, bei dem die Bonner 40 Spielminuten lang eine starke Leistung boten. „Respekt an die Bonner Spieler, sie haben am Limit gespielt“, sagte Berlins Teammanager. Albas Trainer war nur mit dem Ausgang der Partie zufrieden. „Ansonsten bleibt nicht viel übrig auf der positiven Seite“, sagt Henrik Rödl. Sein Team hatte Glück, dass 4,2 Sekunden vor dem Ende ausgerechnet Terry Black an die Freiwurflinie schritt - und daneben warf. „Das lief günstig für uns, keine Frage“, sagt Harnisch.

„Ich habe nicht geglaubt, dass die Freiwürfe reingehen“, sagt Bonns Präsident Wolfgang Wiedlich, „aber dafür haben wir ihn ja auch nicht geholt.“ Der US-Amerikaner macht spektakuläre Dunkings und ist ein vorzüglicher Rebounder – aber Freiwerfen kann er überhaupt nicht. Bereits vor der Partie hatte er in dieser Saison die unterirdische Trefferquote von 22 Prozent, nach seinen fünf Fehlwürfen vom Samstagabend ist sie auf sagenhafte 17,9 Prozent gesunken. Jeder, der von zehn Freiwürfen nur zwei trifft, hat eine bessere Quote als Terry Black – und das könnte sogar Anfängern gelingen.

Bereits am Mittwoch trifft Alba Berlin nun im Pokal-Viertelfinale auf Ludwigsburg. „Nach so einem knappen Sieg gibt es keine Gefahr, dass man überheblich wird“, sagt Henning Harnisch. Vielmehr hat sein Team noch etwas besser zu machen. „21 Turnovers zeigen klar, dass wir nicht konzentriert genug waren.“ Für Alba ist ein Sieg Pflicht, ist doch der Pokalsieg unter der Rubrik Saisonziele vermerkt. So wie die Meisterschaft. Darin führt Alba gegenwärtig weiterhin die Liga an, während Bonn noch um die Play-off-Teilnahme kämpft. „Ich würde mich freuen, wenn Trainer Michael Koch es mit Bonn schaffen würde“, sagt Harnisch, „ich wünsche mir eine erste Play-off-Runde gegen Bonn.“ Trotz des zuletzt so knappen Erfolges? „Vielleicht gerade deswegen“, sagt Harnisch, „es ist an der Zeit zu zeigen, dass wir defensiv stärker spielen können.“

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