Sport : Sieg durch Masse

Boxer Walujew verteidigt glanzlos den WM-Titel

Hartmut Scherzer

Frankfurt am Main - Nikolai Walujew musste sich nicht sehr anstrengen. Er ist 2,13 Meter groß, er hatte keine Mühe, über die Seile in den Boxring zu klettern. Ein Schritt genügte. Wenn der Russe auftritt – 33 Jahre alt, drei Zentner schwer und mit respekteinflößendem Gesicht – dann ist das überall ein Ereignis, auch in der Allstate Arena von Chicago. Weniger ereignisreich war der anschließende Kampf. Walujew verteidigte seinen Schwergewichts-Titel des Weltverbandes WBA gegen Monte Barrett aus den USA erwartungsgemäß. Allerdings dauerte der Kampf länger als erwartet. Erst nach elf Runden stand der Sieger fest, als der Kampf durch Technischen K.o. abgebrochen wurde. Walujew ist nun in 46 Kämpfen unbesiegt.

In der elften Runde waren Barretts Kräfte total erschöpft und sein Wille gebrochen. Eine mit Anlauf geschlagene Rechte ließ den Außenseiter quer durch den Ring stürzen. Barrett stand zwar bei „acht“ wieder, doch sein Trainer stürmte in den Ring, schubste den Ringrichter beiseite und beendete den ungleichen Kampf. Walujew hatte durch Masse gesiegt, nicht aber dank Klasse. Trotzdem erhielt er für die zweifelhafte Leistung eine Million Dollar. Es ist seine bisher höchste Gage. Allerdings haben die Großen der Szene, Mike Tyson, Evander Holyfield und Lennox Lewis in ihrer jeweiligen Glanzzeit bis zu 30 Mal mehr kassiert.

Barrett, 47,7 Kilo leichter und 22 Zentimeter kleiner als sein Kontrahent, hatte keine Chance. Zwar attackierte er Walujew serienweise mit Schlägen, doch sie blieben wirkungslos. Der Koloss zuckte nicht einmal. Der überforderte Herausforderer suchte nach zwei, drei Schlägen immer sofort Schutz unter den Achselhöhlen Walujews. „Er klebte ständig an meinem Bauch. Da konnte ich ihn nicht richtig treffen“, sagte Walujew entschuldigend. Es wird immer offensichtlicher: In der zurzeit niveauarmen Schwergewichtsszene dürfte eigentlich nur einer mit Walujew mithalten können: Wladimir Klitschko.

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