Sieg für Tennisprofi Petzschner : Eine unglaubliche Woche

In Juniorenzeiten galt Philipp Petzschner als großes Talent, war später aber zu disziplinlos für große Erfolge. Jetzt holte er in Wien seinen ersten Einzeltitel - obwohl er eigentlich nur im Doppel antreten wollte.

Anke Myrrhe
ATP-Turnier in Wien - Philipp Petzschner
Ein starker Schläger. Petzschner besiegte im Finale von Wien den Franzosen Gael Monfils.Foto: dpa

Philipp...wer? An den beinahe unaussprechlichen Namen Kohlschreiber haben sich internationale Tennisfans inzwischen gewöhnt. „Aber wer ist dieser Philipp Petzschner?“, fragten sich viele in der vergangenen Woche. Ein deutscher Qualifikant, der sich beim Tennis-Hartplatzturnier in Wien überraschend ins Finale spielte. Und damit nicht genug, er besiegte dort Gael Monfils, die Nummer 28 der Welt aus Frankreich, 6:4, 6:4 und feierte seinen ersten Turniersieg. Dabei hatte dieser Philipp Petzschner in Wien nur im Doppel antreten wollen – in dem er mit seinem Partner Alexander Peya aus Österreich ebenfalls das Finale erreichte, das er aber verlor. Aber wo er schon mal dort war, trat er in der Einzelqualifikation an, kämpfte sich ins Hauptfeld, schlug in der ersten Runde den Weltranglistenzehnten Stanislas Wawrinka aus der Schweiz und stand ein paar Tage später plötzlich im Finale. „Es war die unglaublichste Woche meiner Karriere“, sagte Petzschner, „vielleicht die schönste meines Lebens.“

Früher flog ihm alles zu, darunter litt die Einstellung

Deutschen Daviscup-Zuschauern ist dieser Philipp Petzschner schon länger ein Begriff. Gleich bei seinem Einstand im September 2007 im Halbfinale gegen Russland machte der Bayreuther auf sich aufmerksam, als er für den verletzten Michael Kohlmann im Doppel einsprang und mit Alexander Waske einen wichtigen Punkt holte. Seitdem wird der Name Petzschner mit Kampfgeist und Emotionen verbunden und mit Teamgeist – eben jene Eigenschaften, die besonders im Daviscup gefragt sind. Dass Teamchef Patrik Kühnen ihn fortan für alle weiteren Partien im Doppel einsetzte, liegt vielleicht auch daran, dass Kühnen von früher weiß, wie viel Potential in dem schlaksigen Oberfranken steckt. Bevor Kühnen Daviscup-Teamchef wurde, trainierte er Petzschner als B-Trainer.

In der Jugend wurde er als großes Talent gehandelt – er wurde im Nachhinein oft mit Roger Federer verglichen. Mit 17 Jahren wurde Petzschner Europameister, stand im Junioren-Halbfinale von Wimbledon und war die Nummer acht der Juniorenweltrangliste. Wie Federer war er aufbrausend und ungehalten, wenn es nicht lief. Doch während der Schweizer es schaffte sich zu disziplinieren, brauchte Petzschner etwas länger zu der Erkenntnis, dass Profitennis nur mit der richtigen Einstellung funktioniert.Ihm habe der nötige Ernst gefehlt, gibt Petzschner zu. Alles sei viel zu einfach gewesen. „Mir flog immer alles zu, wo andere hart arbeiten mussten“, sagt er.

Sein Ziel: Im Daviscup auch mal Einzel spielen

Erst Kühnen wusste mit ihm umzugehen. Innerhalb kürzester Zeit machte Petzschner in der Weltrangliste einen riesigen Satz von Platz 3400 auf 300. Mit dem Sieg in Wien wird er ab Montag erstmals unter den ersten Hundert platziert sein. Es könnte der Durchbruch des Mannes gewesen sein, der in diesem Jahr noch überwiegend auf zweitklassigen Challenger-Turnieren unterwegs war. Petzschner ist ruhiger geworden, die nötige Disziplin fehlt ihm manchmal aber nach wie vor.

Dennoch ist er seinem Ziel, „irgendwann im Daviscup als Einzelspieler aufzulaufen“, ein Stück näher gekommen – auch weil Nicolas Kiefer, Thomas Haas und Rainer Schüttler in nicht allzu ferner Zukunft ihre Karrieren beenden werden. Petzschners große Zeit im Einzel dagegen hat gerade erst begonnen.

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