• Sieg gegen Tabellenführer VfB Friedrichshafen: BR Volleys: Selbstfindung im zweiten Satz

Sieg gegen Tabellenführer VfB Friedrichshafen : BR Volleys: Selbstfindung im zweiten Satz

Den BR Volleys gelingt gegen den VfB Friedrichshafen ein wichtiger und emotionaler 3:2-Sieg.

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Sechshändige Verteidigung. Friedrichshafens Baptiste Geiler scheitert am Block der Berliner Christian Dünnes, Rob Bontje und Scott Touzinsky. Foto: imago/Sebastian Wells
Sechshändige Verteidigung. Friedrichshafens Baptiste Geiler scheitert am Block der Berliner Christian Dünnes, Rob Bontje und Scott...Foto: imago/Sebastian Wells

Manchmal kann eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung gegen sich auch helfen. So regten sich die Volleyballer der BR Volleys im fünften Satz zunächst über eine Entscheidung des Hauptschiedsrichters auf – und münzten dann ihre Wut in zwei gewaltige Schmetterschläge um. Mittelblocker Rob Bontje knallte den Volleyball sogar per Ass zum 6:5 ins Feld. Diese erste Führung im entscheidenden Satz gaben die Berliner nicht mehr ab und sicherten sich im Spitzenspiel der Volleyball-Bundesliga gegen den Tabellenführer VfB Friedrichshafen den wichtigen 3:2 (25:16, 25:13, 20:25, 15:10)-Sieg. Es war der erste Sieg der Berliner über Friedrichshafen in dieser Saison und nach zwei Monaten die erste Niederlage der Gäste.

Die Berliner hatten sich einiges vorgenommen gegen den Tabellenführer und ewigen Rivalen der Volleyball-Bundesliga. Die bisherigen Spiele in Friedrichshafen in der Bundesliga (2:3) und im Pokalviertelfinale (0:3) hatten sie jeweils verloren, in der Max-Schmeling-Halle vor 7341 Zuschauern aber sollte das Ende ein anderes sein. Tatsächlich führten die Gastgeber im ersten Satz sofort mit 2:0 und konnten diesen Vorsprung zunächst behaupten. Als jedoch Friedrichshafen auf 10:10 ausglich, überfiel die Berliner eine seltsame Unsicherheit.

Es erwies sich in dieser Phase erneut, dass der Deutsche Meister in dieser Saison in kritischen Phasen noch nicht gefestigt ist. So hatten die Berliner unlängst überraschend sogar beim starken Aufsteiger SVG Lüneburg verloren. Gegen Friedrichshafen gerieten sie im ersten Satz mit 13:19 in Rückstand, auch weil sie Friedrichhafens Diagonalangreifer Gontariu nicht einschränken konnten. Nach der Einwechslung von Christian Dünnes kamen die Berliner noch einmal auf 19:22 heran, mehr aber auch nicht.

Kurioserweise schockierte der Satzverlust die Berliner nicht – im Gegenteil, er beflügelte sie. Im zweiten Satz konnte Friedrichshafen nur zu Beginn mithalten (4:3), dann übernahmen die mutigeren und aggressiveren Gastgeber. Vor allem Außenangreifer Robert Kromm sorgte mit einer tollen Aufschlagserie, die fünf Punkte in Folge brachte, im zweiten Durchgang schon für eine kleine Vorentscheidung: 12:6. Auch Außenangreifer Paul Carroll setzte sich plötzlich spektakulärer und erfolgreicher in Szene. Über 20:12 holten sich die Berliner den zweiten Satz mit 25:16. Was die Frage eröffnete: Welche Berliner würde man fortan sehen, die verunsicherten oder die mutigen?

Es war Letzteres. Der Deutsche Meister hatte im zweiten Satz zu sich selbst gefunden. Mit großem Selbstbewusstsein gingen die Berliner Spieler in den dritten Satz. Diesmal punktete auch der holländische Mittelblocker Rob Bontje, die Friedrichshafener fanden kaum noch ein Rezept gegen den Berliner Block. Über 9:3 und 15:5 holte sich die Mannschaft von Trainer Mark Lebedew erstmals die Führung nach Sätzen: 25:13.

Doch so wollten sich die Gäste nicht geschlagen geben. Im vierten Satz starteten sie furios und druckvoll. Beim Stand von 0:3 musste Berlins Trainer die erste Auszeit nehmen. Es dauerte etwas, bis sich die Berliner gefangen hatten und nach einem Friedrichshafener Block ins Aus zum ersten Mal mit 10:9 in Führung gingen. Jetzt erst entwickelte sich jenes ausgeglichene und dramatische Spiel, das man von diesen Kontrahenten eigentlich von Beginn an erwartet hatte. Friedrichshafen konnte sich allerdings nach Punkten des französischen Angreifers Baptiste Geiler wieder etwas absetzen: 16:19. Beim Stand von 18:20 versuchte Mark Lebedew dem Satz mit der erstmaligen Einwechslung des Zuspielers Sebastian Kühner eine andere Richtung zu geben. Doch auch der deutsche Nationalspieler konnte den Satzausgleich nicht mehr verhindern.

Im Tiebreak entschied der Hauptschiedsrichter nach einer Rettungsaktion der Friedrichshafener auf Weiterspielen. Der Punkt zum 4:5 ging zwar verloren – doch die Entscheidung setzte in der Folge die entscheidenden Emotionen frei.

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