Sport : Sieg im Abseits

Hertha BSC ärgert sich über zwei nicht gegebene Tore – und spielt nur 1:1 gegen Kaiserslautern

Michael Rosentritt

Berlin - Falko Götz verließ nach dem Spiel ganz schnell wieder die Kabine seiner Mannschaft. Es war dem Trainer einfach zu unsicher. „Die Stimmung war sehr aggressiv, es flogen Sachen durch den Raum“, sagte der Trainer von Hertha BSC. Die gereizte Stimmung beim Berliner Bundesligisten hatte eine Vorgeschichte. Es war das Sonntagsspiel im Olympiastadion gegen den 1. FC Kaiserslautern und speziell ein paar Entscheidungen des Gespanns um Schiedsrichter Peter Gagelmann aus Bremen. Offiziell endete das Spiel nach Treffern von Lucien Mettomo für Kaiserslautern und Alexander Madlung für Hertha zwar 1:1 (0:0), doch nicht nur Trainer Götz sah sich um zwei Tore betrogen. 35 814 Zuschauer pfiffen als Zeichen ihres Unmutes. „Ich unterstelle keine Absicht, aber zwei Tore nicht zu geben, die ohne Zweifel nicht Abseits waren, ist schon relativ heftig“, sagte Götz.

Hertha BSC fühlte sich um einen Sieg gebracht. Nach einer torlosen ersten Halbzeit waren die Pfälzer kurz nach dem Seitenwechsel durch ein Tor von Mettomo in Führung gegangen. Herthas Mittelfeldspieler Niko Kovac hatte einen Eckball zu kurz abgewehrt, so dass Lauterns aufgerückter Abwehrspieler keine Mühe hatte, den Ball ins Tor zu schießen. Mit der Führung im Rücken spielte der Gast noch defensiver. Die Mannschaft von Kurt Jara überließ den Berlinern das Spiel, sie stand diszipliniert in der Abwehr und lauerte auf Konter. Die Berliner, die anstelle des gesperrten Yildiray Bastürk mit Andreas Neuendorf aufliefen, taten sich schwer, zwingende Chancen herauszuspielen, oder sie wurden vergeben wie von Neuendorf und Thorben Marx. Artur Wichniarek scheiterte zweimal an Torwart Thomas Ernst.

Nach einer gespielten Stunde „mussten wir aufmachen“, sagte Götz. Giuseppe Reina war es, der per Kopf den Ball über die Torlinie beförderte. Allerdings hatte der Linienrichter seine Fahne gehoben, Schiedsrichter Gagelmann entschied auf Abseits. Kurz darauf verließ Reina das Feld, für ihn kam Nando Rafael und nur zwei Minuten später überwand der Angolaner mit einem Hackentrick Torwart Ernst. Mettomo schlug den Ball in letzter Sekunde aus dem Tor.

Aber das war ein Signal zum Angriff für die Berliner, das zweite kam vom Trainer. Götz nahm Abwehrchef Dick van Burik vom Feld und brachte den kopfballstarken Alexander Madlung. Hertha erhöhte den Druck, ohne spielerisch zu glänzen. Eine Viertelstunde vor dem Abpfiff erzielte Rafael nach Zuspiel von Marcelinho erneut ein Tor. Auch diesem Treffer wurde die Anerkennung wegen angeblicher Abseitsstellung versagt. Wieder hatte der Linienrichter die Fahne gehoben, weshalb sich Marcelinho und Neuendorf lautstark bei ihm beschwerten. Gagelmann zeigte Neuendorf die Gelbe Karte.

Anschließend brachte Götz für Kovac den offensiven Sejad Salihovic ins Spiel. Fünf Minuten vor dem Ende schoss er einen Freistoß scharf vor das Tor der Lauterer, wo der lange Madlung stand und den Ball einköpfte. Dieses Tor zählte, was auf der Trainerbank der Berliner entsprechend gefeierte wurde. „Uns ist es heute sehr schwer gemacht worden, Tore zu schießen“, sagte Götz. Diese Aussage durfte auch als kleiner Seitenhieb auf das Schiedsrichtergespann verstanden werden. Der Schiedsrichter gab später seine Fehler zu: „Es war sehr knapp. Erst im Standbild hat man gesehen, dass es in beiden Situationen kein Abseits war“, sagte Gagelmann. Mittlerweile hatte sich auch Götz wieder etwas beruhigt: „Ich bin froh, dass wir das Tor noch gemacht haben, und dass es gegeben wurde.“ Für seine Spieler verlängerte er das regenerative Auslaufen um fünf Minuten.

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