Sieg im Finale gegen Ding Junhui : Mark Selby zum zweiten Mal Snooker-Weltmeister

Leicester feiert am Montagabend nicht nur die englische Fußball-Meisterschaft, sondern auch den WM-Titel von Mark Selby im Snooker.

Jörg Leopold
The "Jester from Leicester" Mark Selby feiert seinen zweiten WM-Titel nach 2014 - und die Fußball-Meisterschaft seines Heimatklubs Leicester City.
The "Jester from Leicester" Mark Selby feiert seinen zweiten WM-Titel nach 2014 - und die Fußball-Meisterschaft seines Heimatklubs...Foto: dpa

Einen besseren Tag für seinen Sieg bei der Snooker-WM hätte sich Mark Selby gar nicht aussuchen können. Exakt 13 Minuten nachdem die Fußball-Meisterschaft für Leicester City in der Premier League feststand, holte sich der 32-Jährige im Crucible Theatre von Sheffield seinen zweiten Weltmeistertitel. „Ich weiß nicht, was der größere Schock ist: dass ich die WM zum zweiten Mal gewonnen habe oder dass Leicester englischer Fußballmeister geworden ist“, sagte LCFC-Fan Selby nach seinem 18:14-Triumph im Endspiel gegen Ding Junhui aus China.

Ähnlich wie die Fußballer in der Premier League galt auch Mark Selby in diesem Jahr nicht unbedingt als Titelfavorit. Kein einziges Weltranglistenturnier konnte er in dieser Saison gewinnen, vor der WM ließ er sogar zwei wichtige Events aus persönlichen Gründen aus. Ohne Matchpraxis kämpfte er sich dann mehr durch die fünf Runden in Sheffield, als dass er brillierte. Aber genau das macht die Stärke von Selby aus: „Ich habe sicherlich selten überragend gespielt – ganz anders als Ding. Aber jetzt sitze ich hier als Weltmeister. Ich gebe einfach nie auf, egal wie schlecht ich spiele.“

Im Finale zweier früherer Sieger des German Masters profitierte Selby von seinem Blitzstart. Er lag schnell mit 6:0 vorn und immer wenn sein chinesischer Kontrahent kurz davor war, den Rückstand aufzuholen, legte Selby wieder eine Schippe drauf. So wie in der letzten Session als er 16:11 führte und Ding noch einmal auf 16:14 verkürzen konnte. Der folgende Frame dauerte 51 Minuten, Selby blieb auch von einigen leichten Fehlern unbeeindruckt und schaffte die Vorentscheidung.

Danach hatte er nur noch eine kritische Situation zu überstehen: „Jemand aus dem Publikum sagte mir vor dem letzten Frame, dass Leicester Meister sei. Ich habe versucht, nicht dran zu denken und mich ganz auf mein Spiel zu konzentrieren.“ Das gelang ihm, als sechster Spieler der 39-jährigen Crucible-Ära ist Selby nun Mehrfachweltmeister und mit 32 Jahren der mit Abstand jüngste aus dieser Gruppe. Dazu ist Selby im fünften Jahr in Folge am Saisonende die Nummer eins der Snooker-Welt.

In der Stunde des Triumphes dachte er auch an seinen Kontrahenten: „Ding hatte so viel Druck, es war sein erstes Finale und die Erwartungen in China sind gigantisch.“ Tatsächlich schauen bis zu 100 Millionen Chinesen im Fernsehen zu, wenn Ding spielt. „Vielleicht gewinne ich beim nächsten Mal“, sagte der 29-Jährige und wirkte dabei zumindest äußerlich gar nicht so enttäuscht. „Mein Start war einfach zu schlecht, aber dieses Finale war eine wichtige Erfahrung für meine weitere Karriere.“  Und dass er als erster Asiate irgendwann Snooker-Weltmeister wird, dürfte wahrscheinlicher sein als ein weiterer doppelter Leicester-Triumph am selben Tag.

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