Sport : "Sieg kommt, wenn er kommen soll"

Peter Stracke

Uschi Disl fehlt noch der Triumph in einem WM-Einzelrennen in ihrer KarrierePeter Stracke

Die Beine schwer das Lächeln müde - Uschi Disl vermochte nach dem ersten Biathlon-Weltcup im Jahr 2000 ihrem Image der ewig strahlenden bayerischen Frohnatur nicht so recht treu zu bleiben. "Ich komme in diesem Winter einfach nicht richtig aus dem Knick", bilanzierte die 29-Jährige den bisherigen Verlauf einer Saison, die "nicht schlecht läuft, aber noch lange nicht so, wie ich mir das vorstelle". Beim Weltcup am Oberhofer Grenzadler kam sie in ihrer Spezialdisziplin, dem 7,5-km-Sprint, wieder einmal als beste Deutsche ins Ziel. Aber insgesamt eben nur als Vierte und damit erst am Fuße des Siegerpodestes.

Erst einmal, bei ihrem Sieg im 15-km-Einzellauf in Pokljuka, stand Uschi Disl in den acht Rennen des aktuellen Winters auf dem "Stockerl". Keine gute Quote für die Seriensiegerin vergangener Jahre, die mit bislang 19 Weltcup-Triumphen als Solistin eine Rekordmarke setzte. In ihrem besten Jahr 1998 gewann sie allein sechs Rennen und Staffelgold bei den Olympischen Spielen.

"Irgendwie bin ich nicht so spritzig wie in den Vorjahren, fühle mich nicht so fit", meint Disl, die ihre derzeitige Fitness auf die veränderte Saisonvorbereitung zurückführt: "Im letzten Winter habe ich schon im Dezember alle Bäume ausgerissen, und bei der WM waren dann keine mehr übrig." Uschi Disl musste sich beim zweigeteilten Championat 1999 in Kontiolahti und Oslo mit Staffel-Gold trösten und verpasste auch bei der achten WM-Teilnahme den Einzeltitel. Insgesamt sechsmal ist die Ausnahme-Athletin seit 1991 bei Welttitelkämpfen mit Gold in Staffel- und Teamkonkurrenzen dekoriert worden, aber noch nie hat sie ein WM-Einzelrennen gewonnen. Das soll im Februar in Oslo anders werden: "Wir haben unsere Saisonplanung auf die WM ausgerichtet. Dort will ich die Höchstleistung bringen. Natürlich ist der Titel ein Traum, aber rechnen kann man damit nie. Der Sieg kommt, wenn er kommen soll."

Viel Zeit für den ganz großen Wurf bleibt der nach dem Rücktritt von Petra Behle dienstältesten deutschen Skijägerin nicht mehr. Ob die Olympischen Spiele 2002 zum idealen Rücktrittstermin werden, hängt auch vom sportlichen Erfolg ab. Den neuen Geldsegen (allein der Sieg in Pokljuka wurde mit 30 000 Mark Preisgeld und Prämien entlohnt) nimmt Uschi Disl gelassen: "Geld spielt für mich nur eine schöne Nebenrolle. Ich lebe für den Sport und laufe, weil es mir Freude macht. Aber bestimmt nicht mit allen Mitteln so lange, wie ich dafür noch kassieren kann."

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