Sport : Sieg mit 18 Stammspielern

Bayer Leverkusens Joker sichern den 2:1-Erfolg über St. Pauli und verkürzen damit den Rückstand auf Borussia Dortmund auf fünf Punkte

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Glückliche Händchen. Bayers Stefan Kießling (links) feiert sein Ausgleichstor mit Eren Derdiyok. Foto: Reuters Foto: REUTERS
Glückliche Händchen. Bayers Stefan Kießling (links) feiert sein Ausgleichstor mit Eren Derdiyok. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Es war Jupp Heynckes anzusehen, dass diese Partie ihn sichtlich gestresst hatte. Das 2:1 (0:0) gegen den FC St. Pauli hatte aber nicht nur seine Wirkung beim Trainer der Rheinländer hinterlassen. Nicht wenige der 30 210 Zuschauer, die sich den Leverkusenern nahe fühlten, dürften heiser nach Hause gegangen sein. So sehr hatten sie mit ihrer Mannschaft leiden und sie anfeuern müssen. Dass sie am Ende zumindest mit dem Ergebnis zufrieden sein konnten, dafür hatten Stefan Kießling in der 66. Minute und Lars Bender in der 77. Minute gesorgt, die mit ihren Treffern den Rückstand nach Charles Takyis Führungstor noch in einen Sieg verwandelten.

Dieser Erfolg war letztlich verdient, auch wenn Jupp Heynckes mit der spielerischen Leistung kaum zufrieden sein konnte. „Mannschaften, die sich im Abstiegskampf befinden, kämpfen um alles. Das war schwer für mein Team“, sagte der Trainer. Gegen St. Pauli, für das Heynckes wohl nur mit Mühe elf Spieler zusammen bekam, weil ihm gleich sieben Spieler verletzt oder gesperrt fehlten, begannen die Leverkusener doch auffallend zurückhaltend. Einzig Michael Ballack, der das dritte Mal in Folge im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, sorgte in der ersten Hälfte für ein wenig Torgefahr.

„Wir sind froh, dass wir ein Lebenszeichen gesetzt haben. Ich bin stolz darauf, was meine Mannschaft geleistet hat“, sagte Paulis Trainer Holger Stanislawski. Sein Team hatte während der gesamten Partie ordentlich verteidigt und war nach der Pause in einer kurzen Phase sogar überlegen, in der sie auch die Führung erzielt hatten. Doch letztlich reichte aller Kampf und Einsatz nicht. Die Niederlage verstärkte den Abstiegskampf der Hanseaten noch.

Heynckes hatte an diesem Nachmittag ein glückliches Händchen, weil er den Sieg mit Gonzalo Castro, Eren Derdiyok und Lars Bender eingewechselt hatte. Diese Spieler hatten entweder an der Entstehung der Tore unmittelbar mitgewirkt oder trafen wie Bender selbst. „Uns zeichnet aus, dass wir nicht elf, sondern 18 Stammspieler haben“, sagte Heynckes. Mit diesem zähen Erfolg haben die Leverkusener den Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund auf fünf Punkte verkürzt. „Wenn da noch was passieren sollte, dann müssten wir ja alle unsere Spieler gewinnen“, sagte Heynckes. Es scheint, als wolle er die Dortmunder in Sicherheit wiegen. Immerhin fahre er in der kommenden Woche mit dem Willen nach München, bei den Bayern, seinem künftigen Arbeitgeber, zu gewinnen.

In Leverkusen ist bereits jetzt eine Euphorie im Umfeld entstanden, die im Stadion spürbar war und die so untypisch ist für den Klub. Mit derzeit 61 Punkten liegt der Tabellenzweite lediglich einen Punkt hinter der vereinseigenen Bestmarke nach 29 Spieltagen einer Saison. Und diese Zahl stammt aus der legendären Spielzeit 2001/2002, als sich nach drei knapp verlorenen Titeln der Begriff „Vizekusen“ entwickelte. „Der Endspurt wird nochmal interessant“, sagte Heynckes, als er sich auf den Heimweg machte. Der 65-Jährige lächelte dabei geheimnisvoll.

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