Sport : Sieg mit Vorgeschichte

Die Eisbären gewinnen die Neuauflage des Finales gegen Mannheim 5:2.

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Wie im Frühling. Travis Mulock (vorn) und die Eisbären konnten gegen Mannheim wieder jubeln. Foto: Bernd Ksnig
Wie im Frühling. Travis Mulock (vorn) und die Eisbären konnten gegen Mannheim wieder jubeln. Foto: Bernd Ksnig

Berlin - Einer in der Arena jubelte. 13 600 Zuschauer schwiegen. Dann gingen zwei Männer zum Videostudium in die Schiedsrichterkabine. Und zwei Minuten später stand es 1:0 für die Eisbären. Das unsichtbare Tor von Darin Olver, das erst nur der Schütze selbst gesehen hatte, war auf den Fernsehbildern zu erkennen. Es war ein wichtiges Tor für die Berliner, die gegen den Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Mittwoch in der Arena am Ostbahnhof demonstrierten, dass sie in der Kategorie Nervenstärke einmalig in der Liga sind. Am Ende gewannen die Berliner ein schön anzuschauendes Spitzenspiel, das Mannheim lange diktiert hatte, souverän 5:2 (0:0, 3:1, 2:1).

Der Abend hatte eine Vorgeschichte. Das unglaubliche vierte Finalspiel aus der Serie der vergangenen Saison, als die Eisbären aus einem 2:5-Rückstand noch einen 6:5-Erfolg machten und den Mannheimern den schon sicher geglaubten Titel wegschnappten, war präsent. Pünktlich zum ersten Bully brüllten die Berliner Zuschauer: „Deutscher Meister, EHC.“ Des womöglich bittersten Momentes in der Mannheimer Eishockeygeschichte waren sich auch die Mannheimer Spieler bewusst, die im April nicht auf dem Eis standen. So sagte Stürmer Marcel Goc: „Ich kenne die Vorgeschichte. Das zu verkraften, ist nicht einfach.“

Mit der Hypothek konnten die Mannheimer zunächst ganz gut spielen und dann hatten sie ja auch noch Weltklassespieler auf dem Eis, die besagtes Spiel nur vom zuschauen kannten: Marcel Goc und Dennis Seidenberg, die beiden Profis aus der National Hockey-League (NHL). Noch nie zuvor in dieser Saison hatten sich die Eisbären in ihrer Halle das Spiel vom Gegner so diktieren lassen müssen, wie am Mittwoch im ersten Drittel.

Allerdings spielten sich die Adler zu selten in gute Schusspositionen und dann kamen die Eisbären auch zu einigen Kontern, oft initiiert von ihrem NHL-Spieler Daniel Brière. Allerdings konnte auch der Kanadier Nationaltorwart Dennis Endras im Mannheimer Tor im ersten Drittel nicht bezwingen. Das schaffte dann Olver im zweiten Abschnitt, oder besser gesagt: Endras selbst. Olver stocherte und Endras schob den Puck dann ins eigene Tor. Die Mannheimer verloren sich, nachdem sie das Spiel fast 26 Minuten lang dominiert hatten. Nur wenig später nutzte das Matt Foy bei Berliner Überzahl und erzielte das 2:0.

Wenn schon verlieren, dann aber richtig, schien sich kurz darauf Mannheims Stürmer Markus Kink zu denken und rannte Thomas Supis eben mal über den Haufen. Wegen einer Stauchung der Halswirbelsäule musste der Berliner Verteidiger vom Eis. Kink folgte ihm. Unverletzt, aber mit einer Spieldauerstrafe. Auch wenn den Adlern der Anschusstreffer durch Matthias Plachta gelang, waren nun die Berliner die bessere Mannschaft. In 5:3-Überzahl erhöhter Brière auf 3:1.

Nachdem dann auch Marcel Goc mit einer Fußverletzung in die Kabine humpelte, wurde es einfach für die Eisbären. Matt Foy traf zum 4:1, Jamie Arniel zum 5:1. Christoph Ullmann gelang noch das bedeutungslose zweite Tor für die Mannheimer. Diese verloren zwar nicht die Tabellenführung, aber womöglich ein Stückchen Glauben daran, dass sie in dieser Saison in entscheidenden Momenten stärker sind als die Eisbären. Deren Stürmer Tyson Mulock sagte: „Das Spiel hatte Play-off-Charakter.“ Und da lag der Kanadier richtig, auch wenn es sich gestern nur um die vorgezogene Partie des 27. Spieltages der Hauptrunde handelte.

Matt Foy, der zweimalige Torschütze sagte: „Das war schon ein ganz großer Kampf in das Spiel zu kommen, aber kein Team sollte den Charakter unsere Mannschaft unterschätzen. Wir haben uns ab dem zweiten Drittel zusammengerissen und dann lief es.“ Claus Vetter

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