Sport : Sieg nach Plan

Der Hamburger SV kommt mit dem Erfolg in Mönchengladbach der Rettung ein Stück näher

Stefan Hermanns

Mönchengladbach - Änis Ben-Hatira und Vincent Kompany, die beiden Profis des Hamburger SV, versuchten es immer wieder, doch am Gladbacher Torhüter kamen sie nicht vorbei. Keine Chance. Nicht einmal der Hinweis, dass es sich um zwei Spieler des HSV handle, konnte den Ordner vor dem Kabinengang der Hamburger umstimmen. „Ist mir egal“, brummte er. „Kommen nicht rein.“ Ben-Hatira und Kompany, die Profis in Zivil, gaben die Belagerung nicht auf, und am Ende wurden sie von Torwarttrainer Claus Reitmeier ans Ziel geführt. Ihre Kollegen auf dem Platz hatten so viel Nachdruck gegen den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach erst in der Schlussphase gezeigt. In letzter Minute erzielte der eingewechselte Paolo Guerrero den 1:0-Siegtreffer für den HSV.

Guerreros Tor brachte den HSV dem Verbleib in der Bundesliga ein gutes Stück näher. Als er in der 89. Minute eingewechselt wurde, sagte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer zu ihm: „Du hast drei Minuten Zeit, um ein Tor zu erzielen.“ Eine Minute später traf der Peruaner zum 1:0. Genauso war es auch schon im Herbst, als der Stürmer in Leverkusen beim Stand von 0:1 aufs Feld kam. Guerrero erzielte beide Tore zum 2:1 und bescherte dem HSV am achten Spieltag den ersten Saisonsieg.

„Mir ist das lieber als in der ersten Minute“, sagte Hamburgs Trainer Huub Stevens über das späte Tor. Es fügte sich wunderbar in den Plan, den Stevens für das Duell mit dem Tabellenletzten ersonnen hatte. Nur in der ersten Viertelstunde und noch einmal kurz vor der Pause gerieten die Hamburger gegen die Gladbacher in Bedrängnis, dazwischen und danach schafften sie es, das Spiel des Gastgebers weitgehend lahm zu legen. Nach der Niederlage gegen Stuttgart hatte Stevens seine Mannschaft personell und taktisch umfassend umgebaut, mit dem einzigen Ziel, „es Gladbach schwer zu machen“. Dem argentinischen Außenverteidiger Juan Pablo Sorin erklärte er: „Offensiv ist nicht so wichtig heute.“

Trotzdem war es Sorin, der in der ersten Hälfte Hamburgs einzigen Schuss auf das Tor der Gladbacher abgab. Der nächste Versuch ließ bis zur 80. Minute auf sich warten, danach aber boten sich den Hamburgern gegen die verzweifelnden Borussen etliche Kontermöglichkeiten. Nur ein Sieg hätte dem Tabellenletzten die Hoffnung auf den Klassenerhalt belassen, nun aber besitzen die Borussen ungewollte Planungssicherheit. „Jetzt ist es wohl klar“, sagte Nationalspieler Marcell Jansen. „Es will einfach nicht sein.“

Rafael van der Vaart, der Kapitän des HSV, bewertete den Erfolg gegen die Gladbacher als „extra-wichtig“. Die Hamburger entledigten sich nicht nur eines Konkurrenten im Abstiegskampf, sie kletterten auch in der Tabelle nach vorn. „Wenn wir nächste Woche verlieren, sind wir wieder Sechzehnter“, sagte van der Vaart. „Die Liga ist komisch diese Saison.“ Der HSV hat ohne Zweifel seinen Teil dazu beigetragen.

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